Sinisha Lüscher
Er gehört zu den Favoriten an der Niklaus-Thut-Schwinget in Zofingen
Stadträtin und Maienzugkommissionspräsidentin Silvia Dell'Aquila: «Aarau wäre nicht Aarau ohne den Maienzug».
Bild: donovan wyrsch fotografie
Stadträtin Silvia Dell'Aquila ist mit Leib und Seele Maienzugkommissionspräsidentin und erzählt im Interview unter anderem von Erinnerungen, Herausforderungen und der Faszination des Maienzugs in Aarau, der am Freitag, 3. Juli, stattfindet.
Sie stehen 2026 zum fünften Mal an der Spitze der Maienzugkommission. Was geht Ihnen heute durch den Kopf, wenn Sie an Ihren ersten Maienzug als Präsidentin zurückdenken?
…, dass es seither nicht mehr geregnet hat, zum Glück! Und natürlich auch, dass sich der Maienzug seit meiner ersten Ausgabe als Präsidentin weiterentwickelt hat, insbesondere bei den Standorten und dem Ablauf der Morgenfeier – nicht ohne Diskussionen. Dennoch, oder gerade deshalb, ist der Maienzug das Aarauer Fest der Feste geblieben und wird von vielen Menschen als wichtige Tradition gelebt.
Gibt es einen Moment aus den vergangenen vier Maienzugsjahren, der Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?
Es gibt viele kleine und grosse Erinnerungen: der erste Sonnenstrahl, der auf die Bankettgäste schien, als 2022 nach einem regnerischen Vormittag und der Verschiebung des Banketts um eine Stunde immer noch nicht ganz klar war, ob das Wetter hält; die vielen freudestrahlenden Menschen am Strassenrand während des Umzugs; die Jugendlichen, die mit mir die Morgenfeier moderierten und ihre persönliche Note eingebracht haben; die Tambouren der Stadtmusik, die gegen Ende des Banketts für ein Ständchen durch die Festbänke ziehen; das Tanzen zur Musik am Chrutwäje Openair, auf dem Maienzugplatz und im Zelt. Und vor allem die vielen Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen, die an diesem Tag viel Freude zeigen und gemeinsam feiern.
Was fasziniert Sie persönlich am Maienzug auch nach all den Jahren noch?
Der Maienzug zieht alle Aarauerinnen und Aarauer – ob sie nun hier wohnen oder der Stadt besonders verbunden sind – in seinen Bann und bringt uns für einen Tag zusammen. Die Vorfreude, die Vorbereitungen, auch die Diskussionen über die Durchführung oder einzelne Änderungen, das Engagement und das Herzblut, die viele Menschen darin stecken: Der Maienzug hat etwas Magisches, das ich in meinem Leben nicht missen möchte.
Welche organisatorischen Herausforderungen gibt es jedes Jahr wieder erneut zu meistern?
Ein Fest dieser Grösse zu organisieren, erst noch mit der wetterbedingten Unsicherheit, ist immer eine Herausforderung. Hinzu kommen die unterschiedlichen Bedürfnisse und Wünsche, die angemeldet werden und geprüft werden müssen. Besonders gefordert sind jene, die operative Verantwortung tragen. Die Maienzugkommission besteht aus engagierten und fachlich versierten Personen. Es ist ein tolles Team, das sich gegenseitig unterstützt, Herausforderungen annimmt und stets das Beste daraus macht. In den letzten drei Jahren konnten wir uns auf die neuen Standorte und die neue Situation beim Bankett einspielen, weshalb dieses Jahr keine grösseren Probleme auftreten sollten. Daher konnten wir auch neue Angebote schaffen, etwa die Oberstufen-Disco, die dieses Jahr erstmals stattfindet.
Ein Volksfest dieser Grösse verursacht Kosten und Aufwand. Wie begegnen Sie Kritikern, die den Nutzen infrage stellen?
Der Nutzen wird weniger infrage gestellt als die Art und Weise, wie man dieses oder jenes besser organisieren oder optimieren könnte. Es ist ein wenig wie im Fussball: Auf dem Sofa sind wir alle die besseren Trainerinnen und Trainer – da nehme ich mich übrigens nicht raus. Aber alle können versichert sein, dass wir mit dem zur Verfügung stehenden Budget sorgfältig und haushälterisch umgehen, stets im Bewusstsein, dass es sich um Geld unserer Mitbürgerinnen und Mitbürger handelt.
Welche Rolle spielt der Maienzug heute für eine Stadtgesellschaft, die immer vielfältiger wird?
Der Maienzug ist zur Tradition geworden, weil er die Gesellschaft verbindet. Die Maienzugkommission ist bestrebt, alle Menschen, die in Aarau heimisch sind, einzubeziehen und eine möglichst breite Teilhabe zu ermöglichen. Dazu gehört auch, regelmässig zu prüfen, ob der Einbezug aller Bevölkerungsgruppen gelingt. Ein solches Gemeinschaftserlebnis ist für den gesellschaftlichen Zusammenhalt Gold wert und sollte nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden.
Gibt es Neuerungen oder Optimierungen, die das Publikum vielleicht gar nicht auf den ersten Blick bemerkt?
Der Maienzugplatz als Festhauptplatz bietet auch nach drei Durchführungen an diesem Standort immer noch Optimierungspotenzial. Dank Verbesserungen bei der Infrastruktur, Platzierungen und Signaletik, soll der Aufenthalt für die Maienzüglerinnen und Maienzügler angenehmer werden. Ob dies in diesem Jahr noch besser spürbar ist, wird sich zeigen.
Worauf dürfen sich die Aarauerinnen und Aarauer dieses Jahr besonders freuen?
Gutes Wetter ist nicht beeinflussbar, aber sicher die halbe Miete. Mit den «Schwiizergofe», die am späteren Nachmittag im Maienzugzelt einen Workshop für die Kinder anbieten, konnten wir zudem einen tollen Programmpunkt gewinnen. An der Morgenfeier sorgen zwei Beiträge für Überraschungen und mit der Oberstufen-Disco erfüllen wir einen Wunsch der Schuljugend, der seit einigen Jahren besteht. Auch das Maienzugbankett wird wieder überzeugen: Beim Fleischmenu haben wir den Optimierungsbedarf erkannt und bieten beim Hackbraten eine bessere, saftigere Variante an.
Werden Sie auch ein sechstes Mal als Maienzugkommissionspräsidentin amten, falls sich die Gelegenheit ergibt?
Der Stadtrat hat mich bis zum Ende der laufenden Legislatur als Präsidentin der Maienzugkommission gewählt. Diese Verantwortung werde ich weiterhin wahrnehmen und damit mindestens bis zum Maienzug 2029 im Amt sein.
Wenn Sie den Maienzug in einem einzigen Satz erklären müssten: Warum ist er für Aarau unverzichtbar?
Aarau wäre nicht Aarau ohne den Maienzug.
Interview: Olivier Diethelm
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