Yvette Körber
Frau Gemeineammann von Oberentfelden im Interview
Aaraus Stadtpräsident Hanspeter Hilfiker blickt auf ein ereignisreiches Jahr 2025 zurück: Im Interview spricht er über Zusammenarbeit, Herausforderungen, Wachstumsperspektiven – und die relevanten Entscheidungen, die Aarau im kommenden Jahr erwarten.
Hanspeter Hilfiker, Sie wurden in diesem Jahr klar als Stadtpräsident wiedergewählt. Ein Vertrauensbeweis vom Stimmvolk?
Ja, ich habe mich sehr über das gute Resultat gefreut und erachte es durchaus als Vertrauensbeweis, aber auch als Verpflichtung, die Arbeit gemeinsam mit den Behörden gewissenhaft weiterzuführen.
Vier Stadträte sind nicht mehr zur Wiederwahl angetreten. Wie würden Sie mit Blick auf die vergangene Legislatur die Zusammenarbeit im Stadtrat beschreiben?
Der Stadtrat hat in den vergangenen vier Jahren sehr gut zusammengearbeitet. Für mich ist die stadträtliche Präsenz bei öffentlichen Themenanlässen ein Zeichen dafür. Ich denke an die Veranstaltungen zu den Oberstufenstandorten, zur Wohnraumzukunft oder im Projekt urbane Sicherheit, bei denen jeweils zwei oder drei Stadträt/Innen teilnehmen. Das zeigt, dass wir im Stadtrat das Kollegialitätsprinzip leben, was sich auch darin widerspiegelt, dass die Anträge des Stadtrats im Einwohnerrat meist, jene von Stadtrat und Einwohnerrat bei der Bevölkerung 2025 immer Unterstützung fanden.
Welche Projekte oder Vorhaben konnten in diesem Jahr erfolgreich umgesetzt werden?
Im Vordergrund steht natürlich die Tagesschule, die im Sommer ihren Betrieb aufnehmen konnte. Ich denke aber auch an die breit abgestützte Lösung für neue Oberstufenstandorte, die im Einwohnerrat und in der Ortsbürgergemeinde unterstützt wurden. Dann gehen der KiFF-Neubau und die Erstellung unseres neuen Herosé Pflegeheims wie geplant voran. Und auch bei den Ansiedlungen ist einiges geschehen, v.a. der schnelle Neubau des Swisslog-Sitzes in der Telli macht Freude.
Welche weiteren Höhepunkte in Aarau bleiben Ihnen vom Jahr 2025 in Erinnerung?
Das Jahr 2025 war sehr vielfältig. Wir konnten – neben den erwähnten Projekten – im April einen neuen Auftritt der Stadt vorstellen; der gefällt natürlich nicht allen, aber er sichert uns einen zeitgemässen Auftritt, auf Druckprodukten, Fahrzeugen, aber auch in den sozialen Medien. Fortschritte haben wir bei der Verselbständigung der IT gemacht. Die neu öffentlich-rechtliche Anstalt CommIT konnte sich stabilisieren und hat ihre Arbeiten aufgenommen. Und auch bei vielen Bauprojekten im Sportbereich sind wir weitergekommen: Im Winkel in Rohr konnten die Bauarbeiten aufgenommen werden, im Schachen ist das Konzept der Erneuerung der Fussballfelder auf Zustimmung gestossen. Und in unserem Projekt zum Zusammenschluss mit der Gemeinde Unterentfelden haben wir das Detailkonzept fertiggestellt.
Musste die Stadt heuer auch Niederschläge einstecken?
Grosse Niederlagen sehe ich eigentlich keine. Gerne hätten wir die Abstimmungen zu den Oberstufenstandorten noch in diesem Jahr durchgeführt; dass ein Referendum ergriffen und eine Stimmrechtsbeschwerde eingereicht wurde, hat diesen Prozess verzögert, das war für uns wohl die negativste Entwicklung.
Wie präsentiert sich der finanzielle Zustand der Stadt derzeit? Gibt es Bereiche, die Ihnen Sorgen bereiten? Und andere, in denen sie viel Potential sehen?
Die finanzielle Lage der Stadt ist weiterhin gut; wir verfügen über ein grosses Nettovermögen, der Abschluss 2024 war ausgeglichen. Herausfordernd sind die Perspektiven: Es gibt grosse Projekte, die Steueraussichten bleiben immer unsicher und zusätzlich gibt es steigende Kosten im Pflegebereich, bei den Schulen oder bei den IT-Kosten. Hier müssen wir aufmerksam bleiben und alle Möglichkeiten zu Optimierungen und Effizienzsteigerungen nutzen.
Viel zu reden gab das Projekt «Zäme wachse», also der Zusammenschluss von Aarau und Unterentfelden. Welches Potential birgt das Projekt aus Ihrer Sicht?
Ein Zusammenschluss von zwei Gemeinden bietet immer beiden Bevölkerungen mehr Optionen, mehr Aktivitätsmöglichkeiten, mehr Bewegungsraum. Für Aarau ist – und da können wir auch die Fusion mit Rohr in Erinnerung rufen – Unterentfelden eine attraktive Wohngemeinde; kürzlich wurde von neuen Wohnerschliessungen berichtet, es gibt weitere Entwicklungs- und Wohnraumpotentiale. Zusätzlich ist Unterentfelden ein attraktiver Unternehmensstandort mit profilierten Institutionen, etwa dem Landenhof oder der Bauschule. Aarau wird mit Unterentfelden nicht nur grösser, sondern auch attraktiver und vielfältiger.
Auch sonst strebt die Stadt ein nachhaltiges Wachstum an. Mit welcher Strategie soll dies gelingen?
Nachhaltiges Wachstum ist ein vielschichtiges Anliegen. Zum einen haben wir eine Klimastrategie erarbeitet, die seit Mai 2025 auch in unserer Gemeindeordnung verankert ist. Darauf basierend haben wir verschiedene Klimaanpassungs- und Klimaschutzmassnahmen lanciert. Parallel dazu legen wir grossen Wert auf nachhaltiges Bauen, auf eine nachhaltige Verkehrs- und Energiepolitik, bspw. mit dem Fernwärme- und -kältenetz der Eniwa oder unseren Velowegen, und auf eine Wirtschaftsstrategie, die zwei Cluster fokussieren will, die Bereiche «Gesundheit» und «Clean Tech». Finanziell schliesslich haben wir mit der Schuldenbremse ein Instrument eingeführt, das einen nachhaltigen Finanzhaushalt sicherstellen soll.
Wie erwähnt konnten die Abstimmungen zu den Oberstufenstandorten noch nicht durchgeführt werden. Aufgrund von Beschwerden ist es erst ab 2026 so weit. Wie stark drängt die Zeit eigentlich? Wann können Sie nicht mehr alle Schüler unterbringen?
Wir hätten gerne bereits im laufenden Jahr die Abstimmungen durchgeführt. Eine halbjährige Verzögerung ist aber keine Katastrophe. Wir bereiten jetzt die Abstimmung für März 2026 vor. Die Schülerzahlen sind nach wie vor steigend und werden laufend überprüft. Wann genau wo allenfalls Provisorien notwendig sind kann ich zu diesem Zeitpunkt nicht sagen, wir werden die Situation aber eng verfolgen und bei Bedarf entsprechende Kredite beantragen.
Letztes Jahr befand sich die Stadt, was das neue Fussballstadion betrifft, «kurz vor der Verabschiedung des Gestaltungsplans zuhanden des Regierungsrates». Was ist der momentane Stand der Dinge?
Der Gestaltungsplan liegt aktuell zum Entscheid über die eingegangenen Einwendungen beim Regierungsrat. Wir sind wieder einen Schritt weiter und hoffen auf einen Entscheid vor Ende Jahr.
Ein bisschen Vergnügen muss auch sein; welche kulturellen Veranstaltungen sollte man sich in Aarau im Jahr 2026 im Kalender rot anstreichen?
Ui, da wird vieles rot werden! Blumen für die Kunst, Musig i de Altstadt, Argovia Philharmonic, natürlich der Maienzug, dann findet das kantonale Schwingfest in Aarau Rohr statt und, wer weiss, vielleicht steigt der FC Aarau 2026 wieder in die höchste Liga auf.
Welches sind die grossen Themen, die 2026 und darüber hinaus in Aarau anstehen?
2026 wird es politisch in Aarau zwei ganz wichtige Grundsatzentscheide geben: Im März zu den Oberstufenstandorten im Zelgli und in der Telli, und im Juni (Einwohnerrat) bzw. im September (Bevölkerung) zum Zusammenschluss mit Unterentfelden. Im März wird das neue Pflegeheim Herosé bezogen, sicher ein Freudentag. Daneben wollen wir in Kultur und Sport, im Energie- und Verkehrsbereich, in der Wirtschaft, kurz: in allen wesentlichen Bereichen mit dem neuen Stadtrat und mit dem neuen Einwohnerrat unsere verschiedenen Projekte zum Nutzen der Bevölkerung unserer Stadt weiterbringen. Es wird uns sicher nicht langweilig.
Was möchten Sie den Aarauerinnen und Aarauern zum Schluss noch mitgeben?
Ich danke den Aarauerinnen und Aarauern für ihr Vertrauen und für ihr Engagement in allen Lebensbereichen, und wünsche nun allen frohe Festtage!
Interview: Joel Dreier
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