Michael Hermann
referierte in Aarau im Hinblick auf die "Keine-10-Millionen-Schweiz!" -Initiative
Über Frankreich eingeschleppt breitet sich die Asiatische Hornisse zunehmend auch in der Schweiz aus. Das gebietsfremde Insekt setzt die hier heimische Bienenpopulation unter Druck. Markus Dietiker, Neobiota-Ansprechsperson für Lenzburg und Niederlenz, erklärt, wie die Bevölkerung mithelfen kann, deren Verbreitung Einhalt zu gebieten.
Lenzburg Die Asiatische Hornisse (Vespa velutina) ist eine sogenannte invasive Neozoon: Eine eingeschleppte Tierart, die sich bei uns ausbreitet und die heimische Biodiversität unter Druck setzt. «In Europa ist die Art im Jahr 2014 in Frankreich erstmals aufgetaucht», erklärt Markus Dietiker, Projekt-Förster der Stadt Lenzburg. Seither habe das Insekt seinen Weg auch in die Schweiz gefunden und: «Im vergangenen Jahr sind nun auch in unserer Region erste Nester aufgetaucht» – so etwa in Thalheim, Dietikers Wohngemeinde (siehe Foto). Auch in Lenzburg sei beim Feuerwehrmagazin ein Nest entfernt worden.
Schlechte Nachrichten sind das vor allem für unsere heimischen Bienen, wie Dietiker sagt: «Bienen machen etwa 40 Prozent der Nahrung der Asiatischen Hornissen aus.» Betroffen seien sowohl Bienenvölker von Imkern wie auch Wildbienen. In Asien, woher die Asiatische Hornisse, wie der Name verrät, stammt, haben die Bienen eine Überlebensstrategie entwickelt: Ein ganzer Schwarm ballt sich um eine Hornisse, um diese so zu überhitzen. Die hiesigen Bienen haben diese Taktik aber noch nicht entdeckt.
Gerade zur jetzigen Jahreszeit kann die Vespa velutina allerdings auch für den Menschen unangenehm werden, obwohl ihre Stiche nicht gefährlicher sind als jene anderer Wespenarten. Im Frühling bauen die Königinnen nämlich ihre Primärnester und beginnen damit, ihre Kolonie aufzubauen, ehe sie dann im Sommer ausfliegen, um das grössere, sogenannte Sekundärnest, anzulegen.
Die Primärnester befinden sich meist in Bodennähe (maximal 2 Meter ab Boden), etwa geschützt unter einem Dachvorsprung oder in einer dichten Hecke. Und ihre Nester, so Markus Dietiker, verteidigen die Hornissen äusserst aggressiv: «Draussen beim Sammeln sind die Hornissen sehr friedfertig. Wenn jemand aber beim Schneiden einer Hecke etwa aus Versehen ein Nest beschädigt, sind sie sehr angriffslustig».
Ganz los bekomme man die Asiatische Hornisse wohl nicht mehr, meint Dietiker. Jetzt, da die ersten Nester in der Region rund um Lenzburg gesichtet werden, sei die Ausbreitung dieser invasiven Spezies aber noch am einfachsten einzudämmen. «Mit jedem Nest, das gefunden und bekämpft wird, können wir verhindern, dass im Herbst Jungköniginnen ausfliegen und im kommenden Jahr neue Nester bauen.»
Für die Bekämpfung sind die Behörden derweil auf die Mithilfe der Bevölkerung angewiesen. Sichtungen sowohl von Primär- und Sekundärnestern wie auch von einzelnen Hornissen sind unbedingt über die nationale Online-Meldeplattform www.asiatischehornisse.ch zu melden.
Die Asiatische Hornisse ist dabei optisch gut von der einheimischen Europäischen Hornisse unterscheidbar: Sie hat einen deutlich dunkleren, fast schwarzen Körper und lediglich eine gelborange Spitze am Hinterleib (siehe Bild). «Wer sich trotzdem unsicher ist, meldet lieber eine Sichtung zu viel, als eine zu wenig.» Davon, die Tiere in Eigenregie zu töten, wird abgeraten, da heimische Hornissenarten unter Schutz stehen. Gemeldete Nester werden derweil durch Spezialisten des Kantons entfernt und vernichtet.
Von Adrian Oberer
Markus Dietiker ist Neobiota-Ansprechpartner für die Gemeinden Lenzburg und Niederlenz: markus.dietiker@lenzburg.ch
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