Sinisha Lüscher
Er gehört zu den Favoriten an der Niklaus-Thut-Schwinget in Zofingen
Wie soll sich Zofingen in den nächsten 15 Jahren räumlich entwickeln? Dieser Frage widmete sich die Stadt Zofingen gemeinsam mit einem externen Planungsbüro. Im Rahmen einer Infoveranstaltung präsentierten beide Parteien am Mittwoch, 25. Juli, einen Entwurf des räumlichen Entwicklungsleitbildes für die Thut-Stadt.
Zofingen In fetter, roter Schrift trohnt auf der dritten Seite des Legislaturprogrammes der Stadt Zofingen der Satz: «Als regionales Zentrum bietet Zofingen durch vielfältige Angebote eine hohe Lebensqualität». Dieser Satz soll nicht nur Programm und Vision sein, sondern gelebte Realität, stellte Stadtpräsidentin Christiane Guyer zu Beginn der Infoveranstaltung klar. Dafür brauche es gemeinsame Ziele und eine weitreichende Planung – also ein räumliches Entwicklungsleitbild (REL). Eines, dass die Stossrichtung für die nächsten 15 Jahre Entwicklung in den Bereichen Siedlung, Natur und Landschaft, öffentlicher Raum und Mobilität vorgibt und regelt.
Eines sei klar: Auch wenn diese Version des REL erst ein Zwischenstand ist, soll es kein Alleingang der Stadtregierung werden. Dies verspricht neben der Stadtpräsidentin auch die Leiterin Stadtentwicklung Pirsoka Vaszary. «Der Startschuss zum REL erfolgte schon letztes Jahr mit der Raumplanungskommission. Mit der heutigen Infoveranstaltung beginnt nun die Phase Mitwirkung».
Die konkrete Arbeit für den Rohentwurf übernahm das Stadtplanungsbüro PLANAR AG aus Zürich, namentlich Josua Schwegler. «Wie im kantonalen Richtplan festgelegt, ist die Stadt Zofingen ein Zentrum von grosser Bedeutung für die ganze Region», so der Raumplaner.
«Die Stadt erfüllt viele verschiedene Aufgaben: Neben dem grossen Bahnhof als ÖV-Drehscheibe bietet Zofingen auch vielen Dienstleistern und Organisationen eine Basis – so beispielsweise Spital, Polizei oder Gericht.» Auch als Standort aller drei Schultypen spiele die Bezirkshauptstadt eine grosse Rolle. Doch «nur Zofingen» wurde im Rahmen des REL nicht geplant. Es sei ein Fehler vergangener Tage, die Stadt- und Raumplanung nur bis zur Gemeindegrenze zu denken. «Arbeit, Wohnen und Freizeit hören nicht einfach an der Grenze auf», weiss Schwegler – zumal Zofingen beispielsweise mit Oftringen schon zusammengewachsen ist. Dieser Gegebenheit wird im Entwurf Rechnung getragen.
Das alltägliche Leben habe sich über Jahrhunderte primär in der Zofinger Altstadt abgespielt. Spätestens, als die Ringmauern im 19. Jahrhundert abgerissen und die Gräben eingeebnet wurden, expandierte die urbane Landschaft jedoch immer mehr nach aussen. «Die Altstadt ist definitiv auch heute noch das Herz der Stadt», stellt Josua Schwegler klar – es gelte jedoch auch, den übrigen Gebieten wie den vielfältigen Wohnquartieren, Arbeitsgebieten und Grünräumen ihre Beachtung zu schenken.
Die Stärke Zofingens – die Symbiose aus Altem und Neuem – soll bestehen bleiben. Ja, muss sogar: Nicht zuletzt ist Zofingen im Bundesinventar schützenswerter Ortsbilder der Schweiz (ISOS) als «Ortsbild von nationaler Bedeutung» eingestuft, was neben Lorbeeren auch Verantwortung mit sich bringt.
Im Leitbild hat auch die Begrünung einen hohen Stellenwert: Diese gilt es zum einen zu erhalten, zum anderen aktiv zu fördern. Besonders an heissen Tagen wie heuer sei das besonders wichtig, so Schwegler.
Ein weiteres Kernthema des REL ist der öffentliche Raum, konkreter die Schaffung von Begegnungsorten. Der Mensch bewege sich konstant im öffentlichen Raum – nicht nur in der Freizeit, sondern auch, wenn man «eifach mues»: am Bahnhof, wenn man zur Arbeit pendelt, im Altstadt-Lädeli für kleine Besorgungen oder im Gemeindehaus für ein Formular. So ordinär es auch scheinen mag, bieten diese alltäglichen Gewohnheiten Möglichkeiten für spontane Begegnungen. Dies wolle man sowohl in der Altstadt als auch in den kleinen Quartieren am Statdtrand fördern – beispielsweise durch Begrünungen und das bewusste Schaffen von lebendigen Treffpunkten.
Nicht nur der Mensch findet sich im REL wieder. Unter dem Kernthema «Natur und Landschaft» sind auch Flora und Fauna sowie die Tierwelt – innerhalb und ausserhalb der Stadt – vertreten. «Das Wohlergehen der Tiere und Pflanzen trägt ebenfalls zu unserer Lebensqualität bei», so Josua Schwegler. Und eben, besonders an heissen Tagen ist man froh über Begrünung und eine umweltverträgliche Bau- und Denkweise.
Zofingen soll eine Stadt der kurzen Wege werden. Die Vision: Zentrale Punkte sollen in maximal 15 Minuten zu Fuss oder mit dem Velo erreicht werden können. Die Stadt soll dies mit einer durchdachten, verträglichen Nutzungsanordnung erreichen, damit Wohnen, Arbeiten, Einkaufen und Freizeit nahe beieinander liegen.
Bei Prognosen, wie die Mobilität in Zukunft aussehen könnte, hält sich der Raumplaner bewusst zurück – zu schwierig sei es, die Zukunft vorherzusehen. Fokus auf die Stärkung des ÖV und der E-Bikes sei aber ein Ansatz, der verfolgt werden wird.
jdr
Lade Fotos..