Michael Hermann
referierte in Aarau im Hinblick auf die "Keine-10-Millionen-Schweiz!" -Initiative
Von Links: Monika Tschannen, Botschafterin des Trägervereins Energiestadt, Christina Bachmann-Roht, Frau Vizeammann von Lenzburg und Max Chopard-Acklin, Leiter der Lenzburger Fachstelle Umwelt.
Bild: aob
Lenzburg ist seit 2014 Energiestadt. Vergangene Woche präsentierte die Stadt das Resultat des mittlerweile dritten Re-Audits: Im Vergleich zu vor vier Jahren konnte sich Lenzburg leicht verbessern, trotz gestiegener Anforderungen.
Lenzburg Zum dritten Mal seit 2014 liess Lenzburg ihr Energiestadt-Label erneuern. Die Stadt erreichte bei der mittlerweile dritten Neuprüfung 386,7 von 507 möglichen Punkten, was 76,3 Prozent entspricht. Sie weist damit einen höheren Erfüllungsgrad als bei der letzten Überprüfung 2022 (74,6 Prozent) aus, obwohl die Anforderungen seither gestiegen sind.
«Wir sind stolz, dass wir erneut das Zertifikat ‹Energiestadt› in Empfang nehmen dürfen», sagte Frau Vizeammann Christina Bachmann-Roth bei der Präsentation der Ergebnisse des Re-Audits am Donnerstag, 9. April. Dass die Punktzahl trotz der gestiegenen Anforderungen habe gesteigert werden können, untermauere die hohe Bedeutung, welche die Stadt ihrer Klima- und Energiestrategie zumesse. Die Stadt wolle in Sachen Klima- und Umweltschutz sowohl Anreize für Private schaffen, wie auch als Vorbild vorangehen. Daher verfolge man auch das ambitionierte Ziel, im Bereich der städtischen Liegenschaften bis 2040 Netto-Null zu erreichen.
Der Anlass fand im Wasserradraum der alten Bleiche statt. «Kein Zufall», wie Max Chopard-Aklin, Leiter der Fachstelle Umwelt, erklärte. «Das Gebäude steht exemplarisch für die konkret gelebte Energiestadt Lenzburg.» Wo einst das Poncelet-Wasserrad für nutzbare Energie sorgte, erzeugt heute eine PV-Anlage auf dem Dach genügend Strom für sechs Einfamilienhäuser.
Insgesamt 16 Themenfelder im Energie- und Umweltbereich listete Max Chopard-Aklin in seiner kurzen Präsentation auf, in denen die Stadt aktiv sei. Schon 2023 habe man sich beispielsweise entschieden, im Rahmen eines kommunalen Förderprogramms Batteriespeicher für Solaranlagenbesitzer zu fördern. Bereits abgeschlossen ist derweil die Umrüstung aller Schulen und Kindergärten auf LED-Leuchtmittel. Nicht selbstverständlich sei zudem, dass die Grundversorgung durch die städtischen Werke SWL Energie AG bereits zu 100 Prozent aus Erneuerbaren bestehe, so Chopard-Aklin.
Die Grundlage für die Lenzburger Anstrengungen bildet stets die 2024 verabschiedete städtische Klimastrategie. Ein Blick in den Monitoringbericht 2025 (einsehbar über die Website der Stadt) zeigt: Lenzburg ist auf Kurs. Lediglich drei Prozent der 30 formulierten Massnahmen sind noch pendent, der Rest befindet sich in Arbeit oder konnte bereits abgeschlossen werden.
Lob erhielt die Stadt schliesslich von Monika Tschannen. Sie ist Botschafterin des Trägervereins Energiestadt und überbrachte der Stadt an diesem Donnerstag die neue Energiestadt-Urkunde. Seit der ersten Zertifizierung 2014, wo die Stadt mit 55,2 Prozent die Anforderungen für das Label geradeso erfüllt habe, zeige die Kurve steil nach oben. «Besonders freuen mich die Ausdauer und das systematische Vorgehen, mit dem die Stadt ihre Klimaziele verfolgt», so die Energiestadt-Botschafterin. Speziell hob sie auch den Monitoring-Bericht der Stadt hervor. Das sei endlich mal ein Bericht, den man auch lesen könne, denn: «In der Kürze liegt die Würze und in der Länge wird's nicht gelesen.»
Sie sei gar etwas neidisch, verriet Tschannen, die selbst Vizegemeindepräsidentin im bernischen Gerzensee ist. Für kleine Gemeinden sei es fast unmöglich, systematisch Fortschritte zu erzielen: «Wir haben rund 1300 Einwohner. Uns fehlen schlicht die Ressourcen dafür, personell wie finanziell.»
Mit dem Knacken der 75-Prozent-Marke erfüllt die Stadt Lenzburg erstmals die Anforderungen für die höchstmögliche Auszeichnung, das Gold-Label. Dieses erhält die Stadt aber nicht: Im Rahmen der letztjährigen Budgetdebatte strich der Einwohnerrat die zusätzlichen 8000 Franken aus dem Etat 2026, welche für die entsprechende Zertifizierung notwendig gewesen wären. Mit dem Gold-Label, vergeben von der Dachorganisation «Association European Energy Award», hätte sich Lenzburg auch international mit Städten austauschen können. Die Überprüfung wäre aber weiterhin anhand derselben Kriterien erfolgt.
Genau dieser Prozess der regelmässigen Überprüfung sei es auch, was das Energiestadt-Label wertvoll mache, erklärte Monika Tschannen: «Nach vier Jahren ist die Legislatur fertig und es gibt personelle Wechsel.» Falle dies zufällig mit einer Personalrochade in der Verwaltung zusammen, könne auf einen Schlag viel Wissen verloren gehen. Die im Energiestadt-Prozess erstellten Dokumente und Strategien könnten in so einem Fall als roter Faden für die Nachfolger fungieren.
Von Adrian Oberer
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