Die Augenbinde
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Hans Peter Dössegger, ehemaliger Gemeindeammann von Seon.
Bild: zvg
Rund 30 Jahre lang prägte Hans-Peter Dössegger die Politik der Gemeinde Seon. Im Interview blickt er auf seine Zeit als Gemeinderat und sein letztes Amtsjahr als Seener Gemeindeammann zurück.
Sie haben 2025 Ihr letztes Amtsjahr als Lokalpolitiker in Seon abgeschlossen: Mit welchem Gefühl sind Sie ins neue Jahr gestartet?
Das neue Jahr habe ich sehr gut gestartet. Ich konnte mit guten Freunden die geplanten Skitage starten. Erstmals seit Jahren reist kein PC mit in die Ferien und ich werde die kommenden Tage in guter Gesellschaft geniessen.
Sie wurden 1996 in den Gemeinderat gewählt und waren seither Teil der Exekutive. Die letzten acht Jahre amteten Sie als Gemeindeammann. Gibt es rückblickend ein Projekt, auf das Sie besonders stolz sind?
Während 26 Jahren war ich in der Gemeinde für den Hochbau verantwortlich. In dieser Zeit durfte ich zahlreiche Bauprojekte und Gebäudesanierungen umsetzen. Auf einige dieser Projekte blicke ich heute mit grossem Stolz zurück.
Eine grosse Herausforderung stellte der Kreisel im Dorfzentrum dar, verbunden mit der Umgestaltung des Bahnhofplatzes sowie der Neugestaltung des Dorfplatzes im Zentrum. Den Dorfplatz realisierte ich nach den Visionen eines Landschaftsplaners gemeinsam mit dem damaligen Bauleiter Rolf Steiner, der für den Bau vom Kreisel und der Strassensanierung verantwortlich war. Dieses Bauprojekt ohne Planungsbüro umzusetzen war äusserst anspruchsvoll – umso grösser war die Freude, als wir es feierlich einweihen konnten.
Das Fernwärmeprojekt im Oberdorf war ein Gemeinschaftswerk der Energiekommission. Neben den Gemeindebauten sowie dem Altersheim mit Alterswohnungen konnten wir rund 40 private Liegenschaften für dieses Projekt gewinnen. Das ganze Verbundnetz wird Klimaneutral mit zwei den Leistungen angepassten Holzschnitzelheizungen mit Komfortwärme versorgt.
Das letzte grosse Bauvorhaben war das Schulhaus Hertimatt 3, das ich als Präsident der Baukommission begleiten durfte. Mit diesem Schulhausneubau konnte die Bibliothek mit den Schulräumen für die Unterstufen die wachsende Schülerzahl abdecken. Eine weitere zentrale Aufgabe war die Überarbeitung der Nutzungsplanung mit der Festlegung der Zentrums- und Mitteldorfzonen. Nach deren Inkraftsetzung wurden mehrere Bauprojekte realisiert, die heute das Dorfzentrum beleben.
In all diesen Jahren durfte ich – auch dank der zahlreichen Projekte – ein grosses Vertrauen seitens des Gemeinderats und der Bevölkerung erfahren. Dies machte mir sehr viel Freude und war einer der wesentlichen Beweggründe für meine langjährige Tätigkeit im Gemeinderat.
Welchen Rat haben Sie Peter Siegenthaler, Ihrem Nachfolger, mit auf den Weg gegeben?
Abgesehen von meiner Person sind im Gemeinderat keine weiteren Vakanzen zu besetzen. Alle bestehenden Mitglieder des Gemeinderats gehören dem Gremium seit mindestens vier Jahren an. Peter Siegenthaler konnte während seiner bisherigen Amtszeit bereits wertvolle Erfahrungen sammeln. Gemeinsam mit dem neu zusammengesetzten Kollegium wird er seinen Weg weitergehen und dabei neue Akzente setzen.
Schauen wir noch auf das vergangene Jahr zurück: Welche Projekte haben Seon während Ihrem letzten Amtsjahr besonders geprägt?
In meinem letzten Amtsjahr stellten insbesondere die personellen Veränderungen in verschiedenen Abteilungen eine grosse Herausforderung dar. Unstimmigkeiten zwischen Mitarbeitenden und der Verwaltungsleitung führten zu zusätzlichem Aufwand sowie weiteren personellen Abgängen. Bis Ende Jahr konnten jedoch sämtliche offenen Stellen erfolgreich neu besetzt werden. Zudem bereitete der Gemeinderat gemeinsam ein neues Führungsmodell vor, das bis Mitte 2026 umgesetzt und organisatorisch neu strukturiert sein wird.
Bedeutende Bauprojekte innerhalb der Gemeinde konnten gestartet werden. Dazu zählen der Spatenstich für den Kunstrasenplatz und den Garderobenanbau beim Fussballplatz, der Baustart des neuen Feuerwehrmagazins der Feuerwehr Seon–Egliswil, die Fertigstellung des Radwegs Seon–Staufen sowie der Umbau der Räume im Obergeschoss des Hallenbads die im August bezogen werden konnten.
Neben diesen infrastrukturellen Vorhaben prägten auch zahlreiche bevölkerungsverbindende Anlässe das Jahr. Dazu gehörten der Besuch unserer Partnergemeinde Seeon-Seebrück, das Jugend- und Dorffest unter dem Motto «kunterbunt und farbenfroh», der Empfang unseres Kranzschwingers Nick Alpiger nach seinem hervorragenden Schlussrang 5c am ESAF im Glarnerland sowie der Jubiläumswaldumgang anlässlich des Kaufs der Lieb-egger Waldungen vom Schloss Lieb-egg mit dem anschliessenden ge-mütlichen Ausklang beim Waldhaus in Seon mit über 400 Teilnehmenden.
So standen einerseits grosse Projekte im Fokus, die initiiert wurden oder sich in der Vorbereitung befinden, und andererseits bedeutende gesellschaftliche Anlässe, welche die Zusammenarbeit unter befreundeten Gemeinden förderten und das Dorfleben nachhaltig stärkten.
Wagen wir noch den Blick in die Zukunft: Welches Projekt werden Sie auch aus dem politischen Ruhestand noch besonders genau mitverfolgen?
Ich kenne alle anstehenden Projekte sowie den Finanzplan der Gemeinde. Das wird sich jedoch schnell ändern. In den kommenden Jahren werde ich mit Interesse an den Gemeindeversammlungen teilnehmen und verfolgen, wie der Gemeinderat unsere Gemeinde in die Zukunft führt. Es sind nicht einzelne Projekte, die mich interessieren, sondern wie sich Seon in ihren Aufgaben als Zentrumgemeinde weiter entwickeln wird.
Sie haben das letzte Wort
Ein herzliches Dankeschön an meine Kollegin und Kollegen im Gemeinderat, an alle Mitarbeitenden der Verwaltungsabteilungen, die mich in meiner Tätigkeit als Gemeindeammann unterstützt haben, sowie an die Bevölkerung für das grosse Vertrauen und die Wertschätzung all die Jahre. Ich wünsche den zukünftigen Ratsmitgliedern eine ebenso spannende und bereichernde Aufgabe bei der zukünftigen Führung unserer Gemeinde.
Interview: Adrian Oberer
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