Nadine Flück und Oliver Jacobs
begleiten Menschen aus eigener Erfahrung aus der Sucht
Alle Jahre wieder lädt der Forstbetrieb Region Zofingen zum traditionellen Gang durch den Rothrister Wald. So auch am vergangenen Samstag, als unter der Leitung von Peter Gruber die neue Betriebsplanung näher beleuchtet wurde.
Rothrist Einen «Grossaufmarsch» erhoffte sich der Forstbetrieb in der digitalen Einladung auf der Rothrister Gemeindewebseite. Ein Wunsch, der durch knapp 60 interessierte «Waldgänger» mehr als nur erfüllt wurde. Dies auch zur sichtlichen Freude von Gemeinderat Stefan Schmitter, Vorsteher Ressort Forstwirtschaft, und dem stellvertretenden Betriebsleiter des Forstbetriebs, Peter Gruber, welche die Interessierten in Empfang nahmen. «Das Thema Betriebsplanung ist dieses Jahr aus aktuellem Grund entstanden», erklärte Gruber zu Beginn. Anfang dieses Jahres wurde der neue Betriebsplan in Kraft gesetzt. Dieser gibt die Leitplanken für das Handeln des Forstbetriebs vor und ist laut Gruber mit einem «Business-Plan» aus der Privatwirtschaft zu vergleichen. Einziger Unterschied: Im Wald werde mit einem grösseren Zeithorizont gerechnet. Der Betriebsplan sollte, soweit möglich, 15 Jahre Planungssicherheit geben. Der diesjährige Waldgang diene vor allem dazu, diesen Betriebsplan greifbar und verständlich zu veranschaulichen. Zum einen, weil der Plan nicht öffentlich aufliege und es doch «recht viel Fachchinesisch zu entziffern gilt», so Gruber.
Als Dolmetscher für das kantonale Betriebsplan-Fachchinesisch sprang Erwin Städler ein, seines Zeichens Kreisförster der Bezirke Aarau, Kulm und Zofingen. «Zugegeben, es ist ein sehr trockenes Thema», weiss auch der Kreisförster. Trotzdem sei eine solche Planung von höchster Bedeutung, nicht zuletzt, um der veränderten Rolle des Waldes Rechnung zu tragen. «In der ersten Betriebsplanung anno 1855 ging es vor allem darum, wie sehr man sich am Holz im Wald bedienen könne.» Heute stünden andere Themen wie das Wild und Wohlfahrtsfunktionen, also der Wald als Ort der Erholung, im Vordergrund.
Und natürlich sei man im Wald auch äusseren Einflüssen ausgesetzt, sodass der Plan immer mal wieder überarbeitet werden müsse, so Städler. Bei einem Grossereignis, wie beispielsweise beim Sturm «Lothar», kann auch eine Gesamtrevision beantragt werden.
Den Löwenanteil der eigentlichen Planungsarbeit übernahm dabei Forstingenieurin Laura Ramstein vom externen Forstplanungsbüro «Kaufmann + Bader» aus Solothurn. Wer bei «Ingenieur» an ruhige Büroarbeit denkt, liegt gehörig falsch: Während rund 60 Tagen streifte Ramstein durch den 1700 Hektar grossen Rothrister Wald und kartierte diesen, so gut es ging. «Zum Glück ist sie gleichzeitig noch ambitionierte OL-Läuferin», scherzte Gruber.
«Als Allererstes nimmt man den Ist-Zustand des Waldes auf und gleicht diesen mit dem Stand der letzten Betriebsplanung ab», erklärte Laura Ramstein. In dieser groben Bestandsaufnahme bestimmt sie die Arten der Bäume und deren Verteilung. Besonders wichtig in diesem Teil sei es, den Wald in Entwicklungsstufen zu unterteilen. Dazu misst sie alle zehn Meter den dicksten Baum. So kann das Alter der Bäume in verschiedenen Bereichen bestimmt werden.
«Aus diesem ersten Ist-Zustand ergibt sich in einem zweiten Teil die Zielsetzung: Hier können sich neue Ziele, zum Beispiel aus aktuellen Schwerpunkten beim Forstbetrieb, ergeben; alte Ziele werden angesichts der neuen Gegebenheiten angepasst oder unverändert weiterverfolgt. Im dritten Teil werden dann konkrete Massnahmen beschlossen, um die Ziele auch zu erreichen.»
Zum Abschluss informierte Gruber noch in eigener Sache. Der Forstbetrieb, der bisher von jeweils einem Standort in Rothrist und Zofingen geführt wurde, wird nun in Rothrist zusammengelegt. Gleichzeitig wird der Standort in Rothrist ausgebaut, um der neuen Nutzung auch gerecht zu werden. «Wegen der rasanten Entwicklung und dem einhergehenden Wachstum des Forstbetriebes geht uns langsam aber sicher der Platz aus», hält Gruber fest. Dazu kam, dass der Standort in Zofingen infrastrukturtechnisch immer mehr ins Hintertreffen geriet. «Dies gab den Anlass, die Organisationsform zu überdenken; Rothrist als alleiniger Standort zeigte sich als optimalste Lösung.» Zumal sich die Gemeinde Aarburg per Anfang nächsten Jahres dem Gemeindeverband anschliesst, wodurch der Standort Rothrist noch mehr Bedeutung erhält.
Zusätzlich konnten im Frühjahr zwei neue Forstspezialschlepper bestellt werden, welche die inzwischen 18-jährigen Maschinen ersetzen werden. «Ziel ist es, diese dann beim Waldgang im nächsten Jahr auch in Action zu sehen», verrät Gruber. Noch ein Grund also, beim nächsten Waldgang wieder dabei zu sein.
Joel Dreier
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