Sinisha Lüscher
Er gehört zu den Favoriten an der Niklaus-Thut-Schwinget in Zofingen
Der Rothrister Souverän beschloss an der Sommer-Gmeind Investitionen im Umfang von über zehn Millionen Franken. Darunter eine Sanierung samt Aufstockung des Gemeindehauses und eine Aufschüttung der Kiesgrube Oberwil.
Rothrist Ein gelungener Auftakt für Gemeindepräsidentin Daniela Weber (parteilos): Nach acht Jahren als Vizegemeindepräsidentin leitete sie am vergangenen Donnerstag zum ersten Mal eine Gemeindeversammlung, die auch noch allen Anträgen des Gemeinderates nachkam – wenn auch nicht ganz ohne Gegenrede.
Ebenfalls sein «Gmeind»-Debüt gab Gemeinderat Roland Purtschert (FDP), welcher den 176 Stimmberechtigten im Rahmen der Jahresrechnung 2025 Erfreuliches berichten durfte: Die Gemeinde schloss das vergangene Jahr mit knapp zwei Millionen Franken im grünen Bereich ab und verbesserte sich damit um rund 2,4 Millionen Franken verglichen mit dem Budget. Zustande kam das Ergebnis zum einen auf der Aufwandseite, wo erhebliche Einsparungen im Sach- und Betriebsaufwand realisiert werden konnten. Zum anderen spülte der Fiskalertrag, also die Steuereinnahmen der Bürger, 708'000 Franken mehr in die Gemeindekasse als budgetiert.
Trotzdem würden dem «Finanzminister» einige Bereiche Bauchweh bereiten. So etwa der Transferaufwand, also das Geld, das Rothrist anderen Gemeinden und dem Kanton abliefern muss. Da könne man auch schlicht nichts machen: «Es kommen Rechnungen und die müssen wir zahlen», so Roland Purtschert.
«Abwarten ist keine Lösung»: Mit diesen drastischen Worten ergriff Daniela Weber das Wort, als es um das Traktandum der Sanierung und Aufstockung des Gemeindehauses ging. Im 1902 erbauten und 1984 mit einem Zusatztrakt erweiterten Gemeindehaus zeige sich heute ein desaströses Bild. So müsse Gemeindeschreiber Stefan Jung in seinem Büro regelmässig einen Eimer aufstellen, weil es «düreseicht». Zudem sei Rothrist, das im April dieses Jahres die 10'000-Einwohner-Marke knackte, schlicht über das Gebäude hinausgewachsen. Seit 1984 arbeiten gegenwärtig 30 Personen mehr im Haus als damals vorgesehen.
Zudem sei das Haus auch nicht auf dem Stand der Zeit, was die zahlreichen Regularien seitens des Kantons betrifft. Keine vollständige Barrierefreiheit, unzureichende Erdbebensicherheit und im Bereich der Sozialen Dienste seien die Mitarbeitenden baulich nicht genug geschützt. Kurz: Eine Sanierung sei längst überfällig.
Der Gemeinderat präsentierte in der Folge zwei Varianten: Beide mit umfassender Sanierung und Aufstockung, jedoch Variation bei der Heizmethode. «Variante 1» kalkulierte den Weiterbetrieb der jetzigen Ölheizung, mit Gesamtkosten von 6,73 Millionen Franken. «Variante 2» sah eine Erdsondenheizung vor; die Kosten wurden mit 7,49 Millionen Franken beziffert.
Mile Vidovic, Ortsparteipräsident der SVP, meldete sich mit einem Rückweisungsantrag seitens SVP und FDP Rothrist zu Wort. Er monierte die Auswahlmöglichkeiten, die zwar aus verschiedenen Heizsystemen bestünden, jedoch keine Möglichkeit für eine «Sanierung light» böten, also eine Sanierung ohne Aufstockung. Der Rückweisungsantrag wurde mit 110 zu 48 Stimmen verneint. In der Folge gewann die «Variante 2» mit Erdsondenheizung klar mit 123 zu 38 Stimmen.
Vizegemeindepräsident Hans-Rudolf Sägesser (FDP) stellte die Haupteckdaten des Verpflichtungskredits über 3,5 Millionen Franken zur Aufschüttung der Grube Oberwil vor.
Ein Überblick: Im Gebiet des Oberwilerfelds wird seit Jahrzehnten Kies abgebaut. Im südwestlichen Teil ist der Abbau abgeschlossen und das Gebiet bereits aufgeschüttet. Die Grube schwebte dem Gemeinderat als Industriezone vor. Im Rahmen des Leitbildes «Rothrist 2040+» reifte der Gedanke, jene Industriezone auf eine erworbene Parzelle unweit der Wiggertalstrasse zu verlegen. Die Industriezone im Oberwilerfeld soll dafür in Landwirtschaftszone umgezont werden; so würde sogar ein Plus von 1,64 Hektar Fruchtfolgefläche resultieren. Das bestehende Biotop würde erhalten bleiben, wenn auch an anderer Stelle.
Auch erwähnte Sägesser, dass sich die tatsächlichen Kosten für die Gemeinde erheblich reduzieren dürften, so etwa durch Grundeigentümerbeiträge und Deponiegebühren für Auffüllmaterial. Ausserdem steuere der Kanton zusätzliche 140'000 Franken bei. Die Argumente verfingen: Das Stimmvolk bestätigte den Kredit einstimmig.
Joel Dreier
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