Rolf Walser
Interview: OK-Präsident und Gesamtschulleiter über das «Speuzer Schuelfescht»
Am Auffahrtsmorgen lud der Naturschutzverein Zofingen zur Frühlingsexkursion entlang der Wigger. Ein Naturjuwel, das trotz der angrenzenden Autobahn ein diverses Artenspektrum präsentiert.
Zofingen Wer pünktlich zu Christi Himmelfahrt an einen Ausflug ins Grüne dachte, dem fielen die Pläne wortwörtlich ins Wasser. Auch dem Naturschutzverein Zofingen (NVZ) machte das Wetter eigentlich einen Strich durch die Rechnung. Betonung auf «eigentlich»: Denn auch wenn die Frühlingsexkursion «Entlang der Wigger» aufgrund des spontanen Himmelbruchs offiziell abgesagt wurde, fand der «harte Kern» des Zofinger Vereins frühmorgens doch unter der Hardbrücke, unweit der Sportanlage Trinermatten, zusammen. Besonders erfreut zeigte sich Vereinspräsident Christoph Vogel, der nur niemanden stehen lassen wollte, «falls jemand die Mails nicht gelesen hat».
Denn ob Regen oder nicht: Der Zofinger Abschnitt der Wigger ist immer eine Exkursion wert. Vielleicht sogar besonders bei Regen: Die Hochwasserereignisse der Jahre 2005 und 2007 sind über Umwege für die Artenvielfalt des Gewässers zuständig. 2017 sprach der Grosse Rat des Kantons Aargau insgesamt 12,6 Millionen Franken für den Hochwasserschutz. Darin enthalten sind auch Massnahmen bezüglich Biodiversität und Renaturierung, damit der Fluss seiner Rolle als Naherholungsgebiet und Heimat für diverse Tierarten gerecht werden kann.
An der Wigger zeigt sich ein breites Spektrum von Flora und Fauna – trotz der Nähe zur A2. Neben den Arten, die sich regelmässig sehen lassen, wie zum Beispiel die Bachstelze oder die Goldammer, ziehen auch immer wieder Gäste vorbei. Während der Rotmilan (siehe Bild) gerne zum Trinken vorbeischaut, bevorzugt die Blaumeise ab und zu ein Bad im klaren Nass der Wigger. Und wer eine gehörige Portion Glück hat, kann sogar einen Eisvogel erhaschen.
Der Vogelinteressierte muss sich dabei fast vollständig auf das Sehvermögen verlassen. Die Autobahn fordert ihren hörbaren Tribut. «Für den Akustiker ist das heute nichts», weiss auch Christoph Vogel. Doch das Wichtigste – das Wohlergehen der Tiere – sei auch laut ihm nicht gefährdet. Sie würden sich schnell an den hohen Geräuschpegel gewöhnen. Wäre es für die Vögel nicht tragbar, würden sie sich einen anderen Ort suchen – angesichts der Artenvielfalt an diesem Ort offensichtlich nicht der Fall.
Die Vielfalt der Flora hat aber auch ihre Nachteile. Die Wigger ist wie viele andere Gebiete inzwischen von einer Vielzahl invasiver Neophyten befallen. «Neophyten» bezeichnen Pflanzenarten, die erst nach 1492 durch menschlichen Einfluss in eine Region eingeschleppt wurden. Die invasiven Arten verdrängen einheimische Pflanzen, da sie oft keine natürlichen Feinde kennen und sich sehr aggressiv ausbreiten. Das stört das ökologische Gleichgewicht und kann die einheimische Artenvielfalt stark schädigen. So legte der NVZ während der Exkursion Hand an und machte einigen Neophyten den Garaus – auch wenn der Kampf gegen die invasiven Pflanzen einem Kampf gegen Windmühlen gleicht. «Es reicht, wenn eine einzige der Pflanzen vergessen wird», berichtet ein Teilnehmer. Dann würden sie in Windeseile wieder aus dem Boden spriessen. Aber die Faust im Sack zu machen, würde genauso keine Probleme lösen.
Joel Dreier
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