Die Augenbinde
GaukeLaien Aarau: Theaterstück über Gehorsam und die leisen Mechanismen der Macht
Sie führten durch die Jahresmedienkonferenz (von links): Regierungsrat Dieter Egli, Vorsteher DVI; Oberst Michael Leupold, Polizeikommandant; Oberstleutnant Markus Gisin, Abteilungschef Kripo; Major Heinz Meier, Abteilungschef Mobile Polizei und Hauptmann Matthias Schildknecht, Abteilungschef Stationierte Polizei.
Bild: Olivier Diethelm
An der Jahresmedienkonferenz im Polizeikommando gaben Sicherheitsdirektor Dieter Egli und die Kantonspolizei einen umfassenden Überblick über die sicherheitspolitische Lage und die Arbeit der Kantonspolizei Aargau im Jahr 2025.
Aarau Regierungsrat Dieter Egli dankte zu Beginn allen Mitarbeitenden der Kantonspolizei sowie den Partnerorganisationen herzlich für ihren täglichen Einsatz. Weiter machte Egli deutlich, dass Faktoren wie das Bevölkerungswachstum, die weltweiten Krisen, Konflikte und Kriege wie auch das Auftreten neuer Deliktsarten die Sicherheitslage zunehmend belasten. Gleichzeitig sei das Bewusstsein in Politik und Gesellschaft für die Bedeutung der öffentlichen Sicherheit gestiegen, welche es gezielt zu stärken gelte.
Für ein leistungsstarkes Polizeikorps zur wirksamen Bekämpfung der Kriminalität und zur Sicherstellung der Präsenz im öffentlichen Raum ist eine Aufstockung des Personalbestands zwingend notwendig. Rückblickend auf das vergangene Jahr zog Dieter Egli das Fazit, dass die Sicherheitslage komplex ist und sich weiterhin dynamisch entwickelt.
Die Bevölkerung ist Auftraggeberin und wichtigste Partnerin der Polizei. Sie erwartet in erster Linie Sicherheit im öffentlichen Raum, damit sich Menschen frei bewegen können, etwa auf Strassen oder an Bahnhöfen. Ebenso wichtig ist der Schutz des privaten Wohnraums. Wird jemand Opfer einer Straftat, besteht die klare Erwartung, dass die Täterschaft rasch identifiziert und zur Rechenschaft gezogen wird. Zusätzlich soll die Polizei kritische Infrastrukturen wie etwa die Stromversorgung schützen.
Die Gewalt im öffentlichen Raum im Kanton Aargau ist seit Jahren auf hohem Niveau stabil. Sie konzentriere sich vor allem auf Problemzonen wie Treffpunkte von Asylsuchenden, Bahnhöfe – insbesondere Aarau – sowie auf misslungene Betäubungsmittelgeschäfte. Ein zentrales Anliegen der Bevölkerung bleibe der Schutz der eigenen Wohnung.
Die Einbruchdiebstähle sind in den letzten fünf Jahren kontinuierlich angestiegen und haben sich seit 2020 sogar verdoppelt. Nur rund 20 Prozent dieser Delikte können aufgeklärt werden, da es sich häufig um international agierende Tätergruppen handelt, die sich rasch durch Europa bewegen. Die Kantonspolizei setzte aber alles daran, diesen Trend zu stoppen.
Die registrierten Straftaten nach StGB bewegen sich insgesamt auf einem ähnlichen Niveau wie in den Vorjahren, bei stabiler Aufklärungsquote. Rund 59 Prozent entfallen auf Vermögensdelikte wie Diebstähle, Einbrüche oder Betrug, die restlichen 41 Prozent auf Gewalt- und Sexualdelikte, Freiheitsdelikte, Brandstiftung, Urkundenfälschung oder Geldwäscherei.
Bei der Gewaltkriminalität ist eine leichte Zunahme festzustellen, insbesondere bei einfachen Körperverletzungen. Pro Jahr werden 15 bis 20 Tötungsdelikte registriert; im letzten Jahr gab es fünf vollendete und zehn versuchte Fälle, alle mit vollständiger Aufklärung. Sexualdelikte nahmen leicht zu, die Aufklärungsquote liegt hier bei über 90 Prozent.
Cyberkriminalität bleibt auf hohem Niveau. Besonders verbreitet ist Cyberbetrug, während Cybersexualdelikte ab- und Cyber-Rufschädi-gungen zunehmen. Ransomware-Angriffe bewegen sich bei rund 20 Fällen pro Jahr. Online-Anlage-betrug verursachte 2025 einen Schaden von über 19 Millionen Franken. Wichtig sei, solche Delikte umgehend zu melden.
Auch die Strukturkriminalität stellt eine Herausforderung dar, etwa durch gewalttätige Revierkämpfe und Geldwäscherei. Behördenübergreifende Massnahmen seien ergriffen worden.
Im Strassenverkehr gab es 2025 elf Verkehrstote. Die Zahl der Schwerverletzten sinkt, während Unfälle bei jugendlichen Motorradfahrern (Kategorie A1) sowie mit Trendfahrzeugen wie E-Rollern zunehmen. Alkoholbedingte Unfälle blieben unverändert. Die Polizei setzt auf Verkehrs- sowie Geschwindigkeitskontrollen und geht gezielt gegen Raser, Poser, illegal getunte Fahrzeuge und manipulierte E-Trottinetts vor.
2025 gingen bei der Kantonspolizei Aargau 165’232 Notrufe ein. Diese reichen von schweren Delikten bis zu harmlosen Bagatellen. In 84 Prozent der Einsätze konnte die geforderte Interventionszeit von 15 Minuten eingehalten werden, oft war die Polizei bereits nach wenigen Minuten vor Ort. Einbrüche geschehen häufig in Autobahnnähe.
Ein grosser Teil der polizeilich verwertbaren Informationen stammt aus Hinweisen und Meldungen der Bevölkerung. Die Polizei ruft dazu auf, Häuser konsequent abzuschliessen und verdächtige Beobachtungen umgehend auf 117 zu melden – im Zweifel lieber einmal zu viel als zu wenig.
Von Olivier Diethelm
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