Nadine Flück und Oliver Jacobs
begleiten Menschen aus eigener Erfahrung aus der Sucht
Livio Kurmann.
Bild: aob
Livio Kurmann aus Seon ist leidenschaftlicher Schallplattensammler. Am 13. und 14. Februar eröffnet er auf dem Niederlenzer Hetex-Areal seinen eigenen Plattenladen.
Niederlenz Vinyl-Liebhaber dürfen sich freuen: Am Wochenende vom 13. und 14. Februar öffnet an der Lenzburgerstrasse 2 in Niederlenz «Tschent-Vinyl» erstmals seine Tore. Im neuen Plattenladen auf dem Hetex-Areal kauft und verkauft der leidenschaftliche Plattensammler Livio Kurmann künftig Second-Hand-Schallplatten.
Das Sortiment basiert auf Kurmanns eigener, über 17 Jahre gewachsener Sammlung. Etwa 2500 Platten stellt er zu Beginn im Laden zum Verkauf. Sein musikalischer Geschmack ist breit gefächert: von Rock über Jazz und Blues bis zu klassischer Musik. «Es muss einfach handgemacht sein.» Elektronische Musik der 70er-Jahre wie Kraftwerk oder Klaus Schulze gehören für Kurmann noch dazu, moderner Rave, House oder Rap hingegen nicht. «Ich bin da in den 80ern stehen geblieben», sagt er lachend. Ein besonderes Augenmerk legt er auch auf das Angebot im Bereich der klassischen Musik: «Da habe ich nicht das übliche Karajan-Standardsortiment, sondern zum Teil echte Raritäten», erklärt er stolz.
Bei der Preisgestaltung orientiert sich der neue Ladeninhaber an der Onlineplattform «Discogs», welche Verkaufspreise weltweit dokumentiert. «Das gibt mir eine gute Marktübersicht», erklärt Kurmann. Platten ohne Preisauszeichnung kosten einheitlich fünf Franken, der Rest ist entsprechend angeschrieben.
Wer zu Hause Schallplatten hat, die er nicht mehr braucht, kann diese beim Besuch im Laden auch vorbeibringen. Kurmann ist grundsätzlich offen für Ankäufe, allerdings mit klaren Vorstellungen: «Es muss schon etwas Wiederverkäufliches sein, nicht die üblichen Heintje- oder James-Last-Sachen, die oft in den Kellern rumliegen.»
Wie bei allen Sammlerobjekten bestimmt der Zustand auch den Preis mit. Für Livio Kurmann ist dieser aber nicht entscheidend, er nimmt bei Interesse auch verschmutzte oder zerkratzte Platten an. Sind einzelne Stücke einer Sammlung zu stark beschädigt, sortiert er diese später aus. Ohnehin reinigt er alle Platten in der eigenen Plattenwaschmaschine, bevor sie ins Regal wandern.
Die Entstehungsgeschichte des neuen Geschäfts ist symptomatisch für viele Sammler: «Der Musikraum im Keller war irgendwann einfach voll», erzählt Kurmann. «Da kam mir die Idee, wieso nicht einen externen Lagerraum mit einem Laden verbinden?» Er habe gezielt nach einem zentralen Standort bei ihm in der Umgebung gesucht. Der Raum im 1. Stock über dem VOI-Migros-Laden passte da perfekt: Gut erschlossen, genug Parkplätze und eine Bushaltestelle direkt vor der Tür.
Eine Besonderheit des neuen Ladens sind die vorerst unregelmässigen Öffnungszeiten. Kurmann arbeitet weiterhin in seinem Hauptberuf als Lokführer: «Ich arbeite unregelmässig. Die Idee ist, dass ich einfach einmal in der Woche den Laden aufmache – mal an einem Wochenende, mal an einem Mittwoch, einfach wenn ich frei habe.» Die aktuellen Öffnungszeiten werden jeweils auf Facebook und der eigenen Webseite www.tschent-vinyl.ch bekannt gegeben. Ein Kundenstopper auf der Strasse signalisiert zudem, wenn der Laden geöffnet ist. «Das Ziel ist aber schon, dass ich, wenn ich mein Pensum einmal etwas reduziere, mindestens zwei fixe Tage bestimme, an denen ich regelmässig geöffnet habe», blickt Kurmann in die Zukunft. Vorerst muss man sich als Kunde aber vorgängig informieren.
Livio Kurmann ist Musikliebhaber durch und durch. «Die Musik bestimmt mein Leben», sagt er. Selbst spielt Kurmann Schlagzeug und Gitarre, legte eine Zeit lang in Pubs als DJ auf. Seine Leidenschaft fürs Vinyl nahm vor fast zwanzig Jahren ihren Lauf, als er einem Arbeitskollegen gut 1500 Platten abkaufen konnte. Seither ist die Sammlung kontinuierlich auf mehrere tausend Stück angewachsen.
Anders als viele Sammler sei er aber nicht auf der Jagd nach teuren Erstauflagen. «Mir geht es um die Musik», stellt Kurmann klar, «es ist das ganze Ritual: Platte aus dem Cover nehmen, auflegen. Nach einer Seite steht man auf und dreht die Platte um. Es ist ein viel bewussteres Hören, nicht einfach Hintergrundmusik.» So hat Kurmann auch noch zahlreiche persönliche Schätze, die er zumindest vorerst nicht in seinem Laden anbietet, sondern genüsslich zu Hause selber hört.
Von Adrian Oberer
Eröffnung am Freitag, 13. Februar, 14 bis 20 Uhr und Samstag, 14. Februar, 10 bis 18 Uhr, an der Lenzburgerstrasse 2 in Niederlenz.
Weitere Infos: www.tschent-vinyl.ch
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