Nadine Flück und Oliver Jacobs
begleiten Menschen aus eigener Erfahrung aus der Sucht
Arlette Oomen, Projektleiterin RIF Lenzburg Seetal; Jelena Vidanovic, Freiwilligen Kooridnatorin SRK Kanton Aargau und Synodi Alamanioti, Freiwillige beim Schreibdienst in Lenzburg.
Bild: aob
Behördliche Formulare und Schreiben stellen für viele Menschen eine Herausforderung dar. Seit Jahresbeginn bietet das Schweizerische Rote Kreuz (SRK) Kanton Aargau in Lenzburg einen Schreibdienst an, um Ratsuchende im Dickicht des Behör-den-Dschungels zu unterstützen.
Lenzburg Briefe von Behörden verstehen, Formulare ausfüllen, eine Kündigung schreiben: Für viele Menschen ist die Korrespondenz mit Behörden und Fachstellen eine grosse Hürde. Genau hier setzt der Schreibdienst des Aargauer Roten Kreuz an. Seit Anfang Jahr gibt es das Angebot neu auch in Lenzburg. Jeden Montag von 17 bis 19 Uhr stehen Freiwillige im Familienzentrum am Walkeweg 19 bereit, um ratsuchende Menschen beim Gang durch den behördlichen Dokumenten-Dschung-el, beim Schreiben von Briefen oder beim Ausfüllen von Formularen zu unterstützen.
Der SRK-Schreibdienst ist im Kanton Aargau in den Städten Aarau und Baden bereits seit vielen Jahren etabliert und wird rege genutzt. «Im Jahr 2025 nutzen an diesen beiden Standorten insgesamt 392 Personen das Angebot», sagt Jelena Vidanović vom Jugendrotkreuz Aargau, die für die Koordination des Schreibdienstes verantwortlich ist. An den 121 Öffnungstagen im vergangenen Jahr nutzten durchschnittlich also etwa drei Klientinnen und Klienten den Schreibdienst.
In Lenzburg fehlte ein entsprechendes Angebot bisher. Wer auf Hilfe angewiesen war, musste den Weg nach Aarau unter die Füsse nehmen. Allerdings: «Viele gingen dann eben nicht», erklärt Arlette Oomen, Projektleiterin bei der Regionalen Integrationsfachstelle (RIF) Lenburg Seetal, «weil es halt umständlich ist, für ein einzelnes Formular mit dem Zug nach Aarau zu müssen.»
Die RIF Lenzburg Seetal besteht seit Anfang 2025. Als Fachstelle hilft sie bei der Koordiniation der vielen verschiedenen Unterstützungsangebote und triagiert die Hilfesuchenden. «Unsere Hauptaufgabe bestand zu Beginn aber auch darin, abzuklären, welche Angebote es in der Region überhaupt gibt und was noch fehlt», so Oomen.
Eine mit den Sozialdiensten durchgeführte Bedarfsanalyse habe dann ergeben, dass es gerade im administrativen Bereich grossen Unterstützungsbedarf gebe. «Es gibt beispielsweise Leute, da klappt die Anmeldung beim RAV. Wenn dann aber ein Brief zurück kommt, verstehen sie nicht, was von ihnen verlangt wird und schon hinken sie hinterher. Dabei hätten sie nur eine ganz einfache Rückmeldung geben müssen.» So kam die Zusammenarbeit mit dem SRK Kanton Aargau zustande. Der Schreibdienst ergänzt die SchreibBar in der Stadtbibliothek sowie den Lerntreff im Gloria Co-Working ideal und ermöglicht eine bedarfsgerechte Unterstützung von Menschen in der Region.
Konkret hilft der Schreibdienst beim Ausfüllen von Formularen, bei Kündigungen, Bewerbungen oder bei der schriftlichen Korrespondenz mit Ämtern. Auch Online-Formulare können gemeinsam ausgefüllt werden, ebenso ist Unterstützung beim Drucken, Scannen oder Kopieren von Unterlagen möglich – ein wichtiger Aspekt für Personen ohne eigenen Computer. In vielen Fällen gehe es zudem darum, Schreiben richtig einzuordnen, etwa um festzustellen, ob es überhaupt Handlungsbedarf gibt.
Oft seien es sprachliche Barrieren, welche die Klientinnen und Klienten zum Besuch des Schreibdienstes bewegen, wie Jelena Vidanović sagt, «etwa wenn Leute Deutsch als Zweit- oder Drittsprache sprechen». Aber auch Muttersprachler, denen das Angebot explizit auch offen steht, kämen regelmässig vorbei: «Viele trauen sich die schriftliche Kommunikation mit Behörden nicht zu oder möchten einfach, dass jemand ein Schreiben gegenliest oder ein ausgefülltes Formular überprüft, bevor sie es einreichen.»
Noch ist der SRK-Schreibdienst in einer Art Pilotphase. Aufgrund der Erfahrungen aus den ersten Monaten soll das Angebot laufend weiterentwickelt werden, wie Arlette Oomen sagt. «Es ist noch ein bisschen ein Herausfinden, was funktioniert. Etwa der Zeitpunkt um 17 Uhr: Für die einen ist das perfekt, für die anderen zu früh oder zu spät.»
Durchgeführt wird der Schreibdienst von Freiwilligen wie Synodi Alamanioti. Sie ist die erste offizielle Freiwillige für den Lenzburger Schreibdienst. Bis weitere ehrenamtliche Helferinnen und Helfer gefunden sind, hilft Jelena Vidanović noch selbst vor Ort aus.
Interessierte können den Schreibdienst ungezwungen im Rahmen von Probeeinsätzen kennenlernen, ehe es gegebenenfalls zur offiziellen Einführung kommt. Spezielle Vorkenntnisse sind für ein Engagement nicht erforderlich. «In Wort und Schrift sollten Interessierte schon sicher sein. Sonst ist einfach Flexibilität gefragt, um bei Unsicherheiten beispielsweise kurz etwas zu googeln», sagt Vidanović.
Die Einsätze werden quartalsweise geplant, wobei sich die Freiwilligen je nach zeitlichen Möglichkeiten flexibel für die Einsatztage eintragen können, die für sie am besten passen.
Von Adrian Oberer
Immer Montags, 17 bis 19 Uhr, im Familienzentrum am Walkeweg 19 in Lenzburg. Keine Anmeldung nötig, Unkostenbeitrag von 5 Franken (vor Ort bezahlbar).
Weitere Informationen unter: www.srk-aargau.ch
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