Alfred Stiner
Der Gemeindeammann von Unterentfelden im Interview
Von links: Maya Bally, Nationalrätin; Dieter Egli, Regierungsrat AG, Joël Luc Cachelin, Futurist/ Autor; Maurice Velatti, Moderator; Yannick Berner, Grossrat und Co-CEO Urma AG und Livia Schröder, Co-Founderin Neuronetix.
Bild: aob
Im Rahmen des «Forum Wirtschaft trifft Politik» diskutierten am Donnerstag, 4. September, Politiker/innen und Unter-nehmer/innen verschiedener Generationen, wie sich die Arbeitswelt in den kommenden Jahren verändern wird.
Lenzburg Wie sieht die Arbeitswelt von morgen aus? Welche Anforderungen müssen die Büros der Zukunft erfüllen? Und wie kommen eigentlich die verschiedenen Generationen am Arbeitsplatz miteinander aus? Diese und weitere Fragen standen im Zentrum des diesjährigen «Forum Wirtschaft trifft Politik», organisiert vom Verband Lebensraum Lenzburg Seetal.
Passend zur Generationenfrage sassen mit Nationalrätin Maya Bally (Babyboomer), Regierungsrat Dieter Egli (Gen X), Futurist Joël Luc Cachelin und Grossrat Yannick Berner (beide Gen Y) sowie der Jungunternehmerin Livvia Schröder (Gen Z) sämtliche im Arbeitsmarkt vertretene Altersklassen auf der Bühne des alten Gemeindesaals zur Diskussion bereit.
Den Einstieg machte Zukunftsforscher Joël Luc Cachelin mit seinem seinem Input-Referat, in dem er besonders auf das Büro der Zukunft fokusierte. So zeigte er beispielsweise auf, dass die Idee der «Healing Architecture», also die heilende Architektur, künftig auch in Büros zur Anwendung kommen müsse. In Spitälern sei die Erkenntnis, dass das Raumklima und die Gestaltung grossen Einfluss auf das Wohlbefinden der Menschen hat, bereits weitflächig akzeptiert. Es wäre aus der Sicht von Cachelin unsinnig, dies künftig nicht auch an Arbeitsplätzen zu berücksichtigen.
Sogar der Umstand, dass viele Firmen überhaupt eigene Büros haben, in denen nur die eigenen Mitarbeitenden arbeiten, werde künftig wohl seltener werden. Denn vielerorts seien die Räumlichkeiten wegen Teilzeitarbeit und Homeoffice gar nicht mehr genügend ausgelastet – geteilte Büroräume mit freier Platzwahl sei hier das Stichwort.
Die Konzepte, welche Cachelin vorstellt, geistern in der Diskussion um die sich verändernden Arbeitsplätze schon länger herum – und werden besonders in öffentlichen Institutionen auch schon umgesetzt. Morderne Büros ähneln immer stärker den freien Arbeitsplätzen in Universitäten und Uni-Bibliotheken. Kein Wunder also, dass es jüngeren Arbeitnehmenden oft einfacher fällt, sich mit den veränderten Gegebenheiten zu arrangieren.
Für die Podiumsdiskussion weitete Moderator Maurice Velatti den Fokus wieder – und arbeitete gemeinsam mit den Diskussionsteilnehmenden erst einmal sämtliche Generationen-Klischees ab: Die Babyboomer und die Generation X sind fleissig, haben dafür alle Mitte fünfzig ein Burn-out; die Millenials (GenY) und die Generation Z sind faul, hängen nur in den sozialen Medien ab und schreien nach Work-Life-Balance.
Der bewusst ketzerisch formulierte und in seiner Art und Weise für eine Generationen-Debatte selbst schon klischeehafte Einstieg, eröffnete schliesslich ein wider Erwartens spannendes Gespräch darüber, was Einsatz und Leistung bei der Arbeit überhaupt bedeuten. So war sich Livia Schröder sicher, dass jüngere Leute mehr auf das Resultat achten, während in der älteren Generation als fleissig gelte, wer spät am Abend noch im Büro sei – egal wie effizient in dieser Zeit gearbeitet wurde. Eine Einschätzung, die Nationalrätin Maya Bally teilte und anfügte, dass eh niemand 14 Stunden konzentriert arbeiten könne.
Von der selben Erfahrung berichtete auch der Unternehmer und Co-CEO der Rupperswiler Urma AG, Yannick Berner. In seinem Unternehmen besonders sichtbar geworden sei dies, als sie das System zur Zeiterfassung umstellen wollten. Das habe genau wegen der unterschieldichen Gewichtung von «möglichst viele Stunden klotzen» und «Output-Orientierung» riesige Diskussionen ausgelöst. Für Führungspersonen stelle sich da die Herausforderung, zwischen den Anspruchsgruppen zu vermitteln.
Damit war die rund einstündige Diskussion lanciert und bot dem Publikum mehr als genug Gesprächsstoff für den anschliessende Apéro.
Von Adrian Oberer
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