Michael Scherrer
Er analysiert die Gegner des FC Aarau
(v.l.) Patrick Nussbaum, Eurobus-Geschäftsführer, Andreas Schmid, Vizeammann Lenzburg, Armin Tschopp, Geschäftsführer Regionalbus Lenzburg AG und Daniel Mossimann, Stadtammann Lenzburg.
Bild: Adrian Oberer
Auf dem ehemaligen ABB-Areal in Lenzburg sollen ein neuer Werkhof und ein neues Busdepot entstehen. Am Montag, 27. Mai, informierten die Initiatoren über das Vorhaben.
Lenzburg Auf knapp 29'650 m2 soll in Lenzburg ein Standort für alle Lenzburger Werkhöfe und ein neues Busdepot der Regionalbus Lenzburg AG (RBL) entstehen. Zu diesem Zweck haben ein Konsortium der Stadt und die Reisezentrum AG – die wie die Regionalbus Lenzburg AG zur Eurobus AG und damit zur Knecht-Gruppe gehört – das ehemalige ABB-Areal an der Fabrikstrasse in Lenzburg gekauft. Für beide Partner biete das Areal gute Möglichkeiten zur Weiterentwicklung, wie die Verantwortlichen vor den Medien am vergangenen Montag erklärten.
Die Stadt verfolgt zum einen das Ziel, den städtischen Werkhof, die SWL sowie den Forst-Werkhof wieder an einem zentralen Standort zusammenzuführen. Seit einem Brand im Jahre 2017 war der Werkhof des Forstdienstes Lenzia provisorisch auf dem Zeughaus-Areal untergebracht, wie Stadtammann Daniel Mosimann erklärte. An diesem Standort wird sich voraussichtlich aber bald die neue Mittelschule ansiedeln. Für den Forstdienst hätte früher oder später also sowieso eine andere Lösung gefunden werden müssen.
Durch den zwischen 2032 und 2035 geplanten Umzug der SWL und des städtischen Werkhofes werde zudem ein für die strategische Stadtentwicklung wichtiges Areal frei. Dieses befindet sich in der sogenannten Spezialzone «Aabach Nord», einem wirtschaftlichen Entwicklungsschwerpunkt von kantonaler Bedeutung, so Mosimann. Ziel der Stadt sei es, dieses Gebiet zu einem Wirtschaftszentrum zu entwickeln, aber auch neuer Wohnraum soll dort entstehen. Wert lege man besonders auf eine nachhaltige Entwicklung. So soll auch der Quartiercharakter rund um das sozio-kulturelle Zentrum Wisa Gloria erhalten und gefördert werden.
Ideal ist das seit dem Wegzug der ABB im Jahre 2011 leerstehende Areal auch für die Zukunftspläne der Regionalbus Lenzburg AG. Wie Eurobus-Geschäftsführer Patrick Nussbaum erklärte, verfügt das Unternehmen am heutigen Standort an der Lenzhardstrasse über keinerlei Entwicklungsmöglichkeiten. In Anbetracht der Elektrifizierung der Bus-Flotte – bis 2035 sollen nur noch emissionsfreie Fahrzeuge unterwegs sein – sei dieses Potenzial aber dringend notwendig. Am aktuellen Standort sei ein kompletter Umstieg auf elektrische Fahrzeuge nicht möglich, da die nötige Infrastruktur wie Ladestationen nicht erstellt werden könnte.
In Aussicht steht zudem, dass Lenzburg durch die Realisierung des Halbstundentakts des SBB-Fernverkehrs bald alle Viertelstunden einen Fernverkehrshalt erhält. Dementsprechend müssen auch die Buslinien ausgebaut werden, was wiederum mehr Busse und damit mehr Abstellfläche im Depot bedingt.
Auf die ersten Gespräche für den Kauf des Grundstücks vor gut einem Jahr folgten diverse Abklärungen und Gutachten, wie Vizeammann Andreas Schmid erklärte. Denn die fragliche Parzelle wird seit 2013 im kantonalen Kataster der belasteten Standorte geführt. Untersuchungen haben demnach eine Belastung mit sogenannten per- und polyfluorierten Alkylverbindungen (PFAS) des Grundwassers gezeigt. Aber auch in der Bausubstanz der bestehenden Gebäude wurde unter anderem Asbest festgestellt. Die Handhabung dieser belasteten Bausubstanz ist lange erprobt, es gibt klare Richtlinien. Anders sieht das aktuell noch bei PFAS-Kontaminierungen aus, da diese auch «Ewigkeitschemikalien» genannten Stoffe erst seit wenigen Jahren reguliert werden.
Die zuständigen kantonalen Behörden hätten dann auch einem ersten Kaufangebot nicht zugestimmt, da die Übernahme der allfälligen Folgekosten durch die PFAS-Belastung nicht genügend geklärt gewesen sei. In einem zweiten Anlauf einigten sich alle involvierten Parteien auf einen Bruttokaufpreis von etwas über 17,63 Millionen Franken, wovon rund 10,5 Millionen Franken für die Dekontamination des Bodens und der Entfernung der belasteten Bausubstanz aufgewendet werden. Die Hälfte dieser Kosten übernimmt die Reisezentrum AG wodurch der RBL dereinst 50 Prozent der Parzelle zustehen.
Die zweite Hälfte übernimmt ein Konsortium bestehend aus der Stadt Lenzburg (2,45 Mio. Franken), der Ortsbürgergemeinde Lenzburg (490'000 Franken) und der Kies Lenzburg AG (5,88 Mio. Franken). Die Kosten wurden so aufgeteilt, um die Verpflichtungen jeweils im Rahmen der eigenen Finanzkompetenzen eingehen zu können. Die Kies Lenzburg AG erhält dafür das Recht, nach der Dekontamination das Kies auf dem Gebiet abzubauen.
Der Kauf ist bereits rechtskräftig. Der Einwohnerrat behandelt an der Sitzung vom 20. Juni lediglich die Frage, ob die Stadt die Anteile der Ortsbürgergemeinde und der Kies Lenzburg AG im Nachhinein übernehmen soll. Stimmt dieser zu, unterliegt der Entscheid dem obligatorischen Referendum. Die Abstimmung soll dann am 22. September stattfinden.
Von Adrian Oberer
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