Michael Hermann
referierte in Aarau im Hinblick auf die "Keine-10-Millionen-Schweiz!" -Initiative
Das Hotel und Conference Center Sempachersee in Nottwil lebt Nachhaltigkeit im täglichen Handeln.
Bild: zvg
Klimaschutz macht vor Konferenzräumen nicht halt. Was vor einigen Jahren noch als Nischenthema galt, ist heute bei der Planung von Firmenevents und Kongressen längst Realität geworden. Veranstalter achten zunehmend darauf, wo und wie sie ihre Meetings durchführen, und das Hotel & Conference Center Sempachersee in Nottwil gehört zu jenen Häusern, die das Thema nicht nur auf dem Papier verfolgen, sondern konkret umsetzen.
Torsten Pinter, seit 2019 Direktor des Hotel Sempachersee in Nottwil, kennt die Herausforderungen aus erster Hand. „Unsere Gäste fragen heute gezielt nach der Klimabilanz ihrer Veranstaltung“, erklärt Pinter. „Das ist kein Nice-to-have mehr, sondern ein entscheidendes Buchungskriterium“. Der Wandel sei deutlich spürbar: Unternehmen würden ihre Nachhaltigkeitsziele nicht mehr an der Hotelrezeption abgeben, sondern erwarten, dass auch die Tagungslocation zum Gesamtkonzept passt.
Konkret zeigt sich das bereits bei der Gebäudekühlung. Während andernorts energieintensive Klimaanlagen laufen, nutzt das Haus am Sempachersee das kühle Seewasser zur Temperaturregulierung. Die Rechnung dahinter? Rund 100 Prozent weniger CO2-Ausstoss im Vergleich zu konventionellen Kühlsystemen. Was technisch klingt, macht sich bemerkbar: Die über 40 Seminarräume bleiben auch im Hochsommer angenehm temperiert, ohne dass die Umwelt darunter leidet. Das System funktioniert simpel und effizient: Kaltes Wasser aus dem See wird durch Leitungen geführt, gibt seine Kühlung an die Gebäude ab und fliesst erwärmt zurück. Ein geschlossener Kreislauf, der seit Jahren zuverlässig läuft.
Doch wie sieht das in der Praxis aus, wenn ein Unternehmen eine Konferenz plant? Zunächst einmal beginnt alles mit der Anreise. Die Lage nur 20 Minuten von Luzern entfernt und die direkte Anbindung an den öffentlichen Verkehr erleichtern klimafreundliche Anreiseoptionen. Wer dennoch mit dem Auto kommt und ein Elektrofahrzeug fährt, findet Ladestationen vor Ort. „Mobilität ist einer der grössten Hebel“, betont Pinter. „Wenn wir schon 800 Parkplätze anbieten, dann sollten einige davon auch fürs Laden taugen“.
Die Zahlen geben ihm recht: Bei mehrtägigen Kongressen macht die Anreise der Teilnehmenden oft über die Hälfte des gesamten CO2-Fussabdrucks aus. Ein Grund, weshalb das Hotel aktiv mit Veranstaltern zusammenarbeitet, um Fahrgemeinschaften zu organisieren oder Shuttle-Services vom Bahnhof anzubieten. Manche Firmen gehen noch weiter und integrieren die nachhaltige Anreise direkt in ihre Einladungen: Wer mit dem Zug kommt, erhält eine Vergünstigung oder ein kleines Dankeschön. Solche Anreize funktionieren, weiss Pinter aus Erfahrung.
Bei der Verpflegung wird es noch greifbarer. Der hauseigene Kräutergarten liefert frische Zutaten direkt in die Küche. Klingt bescheiden, ist aber ein Statement: Keine langen Transportwege, keine gekühlten Lieferketten, keine unnötige Logistik. Dazu kommen regionale Lieferanten, die das Hotel bewusst ausgewählt hat. Fisch aus dem Sempachersee, Gemüse von lokalen Höfen: Was früher selbstverständlich war, ist heute wieder modern. Oder besser: notwendig.
Die Zusammenarbeit mit regionalen Produzenten hat noch einen weiteren Effekt: Sie stärkt die lokale Wertschöpfung. Das Geld bleibt in der Region, Arbeitsplätze werden gesichert, und die Qualität der Produkte lässt sich direkter kontrollieren. „Wir kennen unsere Lieferanten persönlich“, sagt Pinter. „Das schafft Vertrauen und verkürzt Kommunikationswege“. Wenn ein Koch morgens feststellt, dass er mehr Kräuter braucht, reicht ein kurzer Gang in den Garten. Wenn frischer Fisch gefragt ist, kommt er aus dem See nebenan statt aus irgendeinem Zuchtbetrieb am anderen Ende Europas.
Pinter spricht von einem Umdenken in der gesamten Branche. Früher sei der Fokus vor allem auf technische Ausstattung und Kapazität gelegt worden. Heute kämen Fragen zur Abfallvermeidung, zu vegetarischen Menüoptionen oder zur Energieeffizienz dazu. „Die Teilnehmenden selbst erwarten das“, sagt er. „Und ehrlich gesagt: Wer will schon an einer Nachhaltigkeitskonferenz teilnehmen, die in einem klimaschädlichen Rahmen stattfindet? Das passt nicht zusammen“. Die Glaubwürdigkeit stehe auf dem Spiel, und das merken immer mehr Veranstalter.
Was bedeutet das nun für Veranstalter? Zunächst lohnt sich ein Blick auf Zertifizierungen wie „Swisstainable“ oder „Green Globe“. Sie geben zumindest einen Anhaltspunkt, welche Standards ein Haus erfüllt. Noch wichtiger ist jedoch das Gespräch vorab: Welche konkreten Massnahmen setzt das Hotel um? Wo kommt das Essen her? Wie wird geheizt oder gekühlt? Gibt es Alternativen zu gedruckten Konferenzmappen?
Pinter empfiehlt, konkret nachzufragen. Manche Hotels schmücken sich mit grünen Labels, ohne tatsächlich viel zu verändern. Andere setzen praktische Massnahmen um, ohne gross damit zu werben. „Fragen Sie nach Beispielen“, rät der Hoteldirektor. „Lassen Sie sich zeigen, wo die Lebensmittel herkommen. Schauen Sie sich die Energiesysteme an. Ein echtes Nachhaltigkeitskonzept hält dieser Prüfung stand“.
Digitale Lösungen spielen dabei eine wachsende Rolle. Event-Apps ersetzen gedruckte Programme, QR-Codes führen zu Präsentationen, Online-Tickets machen Papiereinladungen überflüssig. Das Hotel Sempachersee arbeitet bewusst mit automatisch dosierten Reinigungsmitteln und bietet Gästen an, Handtücher nicht täglich zu wechseln. Klingt unspektakulär, summiert sich aber im grossen Massstab. Bei 150 Zimmern und mehreren tausend Übernachtungen pro Jahr macht das einen Unterschied bei Wasser, Energie und Chemikalienverbrauch.
Auch bei der Abfallvermeidung gibt es Potenzial. Buffets werden heute oft bewusst kleiner geplant und dafür häufiger nachgefüllt. Das verhindert, dass am Ende grosse Mengen weggeworfen werden müssen. Getränke werden zunehmend in Karaffen statt in Plastikflaschen serviert. Und bei mehrtägigen Events arbeitet das Hotel mit Mehrweggeschirr statt mit Einwegbechern für die Kaffeepausen.
Bleibt die Frage: Kostet Nachhaltigkeit mehr? Nicht zwangsläufig, meint Pinter. „Manche Massnahmen amortisieren sich schnell, andere sind langfristige Investitionen“. Die Seewasserkühlung etwa spare dauerhaft Energiekosten. Regionale Lebensmittel vermieden Transportkosten und Zwischenhändler. „Man muss das Gesamtbild sehen“, so der Hoteldirektor. „Und ehrlich sein: Manche Dinge kosten einfach, weil sie das Richtige sind“.
Die Investition in LED-Beleuchtung beispielsweise rechne sich innerhalb weniger Jahre durch niedrigere Stromrechnungen. Ähnlich bei modernen Heizungssystemen oder effizienten Küchengeräten. Andere Massnahmen seien eher ideeller Natur, aber auch die hätten ihren Wert. „Wenn wir die Biodiversität auf unserem Gelände fördern oder Nistkästen für Vögel aufhängen, bringt das keinen direkten finanziellen Return“, gibt Pinter zu. „Aber es schafft ein Umfeld, in dem sich Menschen wohlfühlen. Und das ist unbezahlbar“.
Für Veranstalter bedeutet das: Ein nachhaltiges Event muss nicht teurer sein als ein konventionelles. Es erfordert aber eine andere Planung. Wer früh genug anfängt, findet Lösungen, die sowohl ökologisch als auch ökonomisch Sinn machen. Wer hingegen in letzter Minute bucht und dann noch schnell das grüne Etikett darauf kleben will, zahlt möglicherweise drauf, ohne wirklich etwas zu bewegen.
Was lässt sich daraus mitnehmen? Green Meetings sind keine Utopie mehr. Sie funktionieren, wenn alle Beteiligten (vom Hotel über den Veranstalter bis zu den Teilnehmenden) mitziehen. Und sie funktionieren dort am besten, wo Nachhaltigkeit nicht als Marketinginstrument verstanden wird, sondern als Haltung. Torsten Pinter formuliert es pragmatisch: „Wir können nicht alles perfekt machen. Aber wir können jeden Tag ein bisschen besser werden“.
Das bedeutet auch: Fehler eingestehen und daraus lernen. Nicht jede Massnahme funktioniert auf Anhieb. Manche Ideen, die auf dem Papier gut aussahen, scheitern in der Praxis. „Dann justieren wir nach“, sagt Pinter. „Das Wichtigste ist, dass man überhaupt anfängt“. Perfektion sei der Feind des Guten: Wer darauf warte, bis alles hundertprozentig durchdacht sei, werde nie beginnen.
Wer seine nächste Veranstaltung plant, sollte also nicht nur nach Raumgrössen und Technikausstattung fragen. Sondern auch danach, was nach der Veranstaltung bleibt: Im besten Fall nicht nur gute Erinnerungen, sondern auch eine saubere Klimabilanz. Die Teilnehmenden werden es danken, die Umwelt sowieso. Und vielleicht, so Pinters Hoffnung, wird nachhaltiges Tagen irgendwann so selbstverständlich sein, dass man gar nicht mehr darüber reden muss.
Guido A. Zäch Strasse 2
6207 Nottwil LU
+41 41 939 23 23
info@hotelsempachersee.ch
www.hotelsempachersee.ch
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