Nadine Flück und Oliver Jacobs
begleiten Menschen aus eigener Erfahrung aus der Sucht
Aarau Maria Fischer-Galizia wurde im Jahre 1933 als viertes von zehn Kindern im streng katholischen Oberfreiamt (Merenschwand) auf einem Bauernhof geboren. Der Vater war ein eher ärmerer Kleinbauer, achtete aber sehr auf die Bildung und Ausbildung seiner intelligenten Kinder, die meistens auch prompt «bessere» Berufe ergreifen konnten.
Maria Fischer beispielsweise lernte an der Bezirksschule im ehemaligen, im 19. Jahrhundert von den Liberalen aufgelösten Kloster Muri, dann am gestrengen, disziplinorientierten katholischen Lehrerinnenseminar Menzingen (Kanton Zug), das sie bald fluchtartig verliess, ehe sie das «Töchti» und das Hauswirtschaftsseminar im protestantischen Aarau besuchte.
Sie heiratete später den bedeutenden Bildhauer Rico Galizia, dessen Nachlass sie verwaltet, und ist im Alter unter anderem Urgrossmutter und «Entertainerin» ihrer Urenkel.
Wie gesagt, Maria Fischer stammt aus dem katholischen Herzland, aus Merenschwanden im Oberfreiamt, wo die Religion den Alltag bis hinein in den hintersten Winkel durchdrang und der Pfarrer im Dorf mehr oder weniger das Sagen hatte. Der Geistliche war denn auch skeptisch darüber, ob Maria Fischer in die protestantisch-liberale Kantonshauptstadt übersiedeln sollte. Er befürchtete nämlich einen Abfall vom «wahren katholischen Glauben».
Doch Maria Fischer gefiel es in Aarau am «Töchti», sie las dort viel, lernte unter anderem Französisch bei einer noch recht jungen, verhältnismässig dynamischen Lehrerin und lernte insgesamt gerne, bestand auch den schwierigen Vorkurs in Geometrie und nähte exakt im Obergeschoss der Alten Kanti. Das Unterrichtspensum war indessen fordernd.
Mitsprache der Schülerinnen und Schüler war damals, um das Jahr 1950, im Unterricht noch verpönt. Die Lehrperson unterrichtete in der Regel autoritär und im Frontalunterricht.
Immerhin sorgten das Aargauer Fest mit seinen Freilufttänzen, ein Blaukreuz-Lager in Vitznau oder ein Skilager, wo Maria Fischer eine forsche Engländerin kennen- und schätzen lernte, für Abwechslung. Solche Skilager dienten der weiteren Popularisierung des «weissen Sports» im Mittelland, der allmählich zum schweizerischen Nationalsport avancierte. Die Ausrüstung freilich konnte sich Maria Fischer nur auf Leihbasis leisten.
«Landdienst» bei einem Bauern war damals in den Schulferien für drei Wochen obligatorisch. Dafür hatte die Schulleitung gesorgt. Für das Bauernkind Fischer war die strenge Arbeit nichts Neues, es war sich beispielsweise Heuen von zuhause gewohnt..
Und eine Stelle fand die emanzipierte junge Frau später auch. Investition in (Frauen-)Bildung rentierte eben schon um die Mitte des 20. Jahrhunderts.
Dr. phil. Fabian Brändle, Journalist und Volksschriftsteller
«Ich bin aus dem Freiamt, wisst ihr, wo das ist?»
- Erinnerungen an eine Kindheit und Jugend (201 Seiten)
Autorin: Maria Galizia-Fischer
ISBN: 978-3039260911
Verlag: Limmat Verlag 2025, Zürich
Lade Fotos..