Rolf Walser
Interview: OK-Präsident und Gesamtschulleiter über das «Speuzer Schuelfescht»
Von links: Oberst Andreas Hugi (Chef Medien "CONEX 26"), Divisionär Alexander Kohli (Kdt Territorialdivision 2) und Oberst i Gst Xaver Sailer (Projektleiter "CONEX 26") informierten in der Kaserne Aarau über Ziele, Ablauf und Schwerpunkte der gross angelegten Einsatzübung im Raum Nordwestschweiz.
Bild: Olivier Diethelm
Wenn einem in diesem Monat in der Region erhöhte militärische Aktivitäten auffallen, besteht kein Anlass zur Sorge. Die Territorialdivision 2 führt im Juni in der Nordwestschweiz die Grossübung «CONEX 26» durch, in welcher die Einsatzbereitschaft der Armee und das koordinierte Zusammenspiel auch mit zivilen Behörden unter anspruchsvollen Bedingungen geübt werden.
Region Während des gesamten Monats Juni führt die Schweizer Armee mit «CONEX 26» eine ihrer grössten Übungen der vergangenen Jahre in der Nordwestschweiz durch – in den Kantonen Aargau, Basel-Landschaft, Solothurn und Luzern. In der Kaserne Aarau informierten Divisionär Alexander Kohli (Kdt Territorialdivision 2), Oberst i Gst Xavier Sailer (Projektleiter der Übung) sowie Oberst Andreas Hugi (Chef Medien «CONEX 26») über Ziele, Ablauf und Bedeutung des Grossanlasses.
Für Divisionär Kohli handelt es sich grundsätzlich um einen normalen Wiederholungskurs, einfach «ein bisschen grösser» mit mehreren parallel anwesenden Bataillonen. Im Zentrum stünden die Mobilisierung und die Vorbereitung der Truppen auf einen möglichen Einsatz. «Wir üben die Mobilisierung, das Miteinander-Vorbereiten, um dann in den Einsatz gehen zu können.»
Die sicherheitspolitische Lage habe sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Kohli verwies auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine und auf hybride Bedrohungen für Staat und Gesellschaft. «Es ist komplex, es kommt alles zusammen. Die Armee muss sich immer mehr und besser vorbereiten, um ihre Aufgabe wahrnehmen und die Sicherheit unserer Bevölkerung sicherstellen zu können.»
Diese Entwicklung habe auch die Ausrichtung der Armee verändert. Während in den vergangenen Jahren «helfen und schützen» im Vordergrund standen, sei heute die Reihenfolge eine andere. «Kämpfen, schützen und helfen – kämpfen steht also wieder im Vordergrund», erklärte der Divisionär.
Damit unterscheide sich «CONEX 26» deutlich von der letzten grossen Conex-Übung im Jahr 2015. Damals habe die Armee vor allem zivile Behörden unterstützt. «Heute ist es anders: Die Armee kommt zuerst zum Einsatz. Erst nach Kampfende und Befriedung übernehmen die zivilen Behörden. Das ist der grosse Unterschied.»
An der Übung nehmen rund 3500 Angehörige der Armee teil. Die ersten Tage stehen im Zeichen der Mobilmachung. Die Truppen rücken an ihren Bataillonsstandorten in der gesamten Nordwestschweiz ein. Anschliessend folgt die einsatzbezogene Ausbildung (EBAG). Ziel ist es, bis Ende Juni die Einsatzbereitschaft zu erreichen und den Ausbildungsstand der Verbände zu überprüfen.
Gleichzeitig wird die Mobilisierungsfähigkeit der Armee getestet. «Das bedeutet insbesondere für die Logistik eine grosse Herausforderung, weil Übungen in dieser Grössenordnung seit langer Zeit nicht mehr durchgeführt wurden», sagte Kohli. Zudem trainieren die Truppen ihr Verhalten unter erhöhter Bedrohung. Sichtbar wird dies durch zusätzliche Sicherheitsmassnahmen an den Mobilmachungsplätzen. In der Kaserne Aarau wurden unter anderem Absperrungen und Stacheldraht angebracht.
Projektleiter Xaver Sailer erläuterte den Ablauf der Übung. Die erste Phase umfasst Mobilisierung und Vorbereitung mit Einrücken, Materialfassung und Bereitstellung der Verbände. In der zweiten Phase steht die einsatzbezogene Ausbildung im Mittelpunkt. Zunächst trainieren die Verbände ihre Verfahren auf Waffen- und Schiessplätzen. Ziel ist die erste Zertifizierung «Fit for Mission». «Dabei geht es darum, die Grundfertigkeiten im Verband nachzuweisen», erklärte Sailer.
Danach folgt die zweite Zertifizierung «Fit for the Mission». Die zuvor trainierten Verfahren werden dabei ins reale Gelände und teilweise auch in zivile Räume verlegt. «Wir wollen beurteilen können, ob alles gut zusammenspielt», so Sailer. Die dritte Phase umfasst die Rückführung der Verbände und die Wiederherstellung der materiellen Einsatzbereitschaft.
Inhaltlich trainieren die Verbände die Bekämpfung bewaffneter Gruppen, das Abriegeln und Durchsuchen urbaner Räume, Raumüberwachung, Objektschutz sowie das Erstellen, Beseitigen und Überwinden von Hindernissen. Geübt werden zudem Trümmerrettung, Brandbekämpfung, Funkverbindungen über grosse Distanzen und die Sicherstellung des Nachschubs.
Die Übungen finden in verschiedenen sogenannten Arenen statt, darunter die Rheinhäfen, Juraübergänge und grenznahe Gebiete. Geplant ist ausserdem eine trinationale Stabsübung mit Partnern aus Deutschland und Frankreich. In der Arena «Opfor» treten die Verbände gegen einen fiktiven Gegner an.
Im Gegensatz zu normalen Wiederholungskursen wird «CONEX 26» für die Bevölkerung deutlich wahrnehmbar sein. «Man wird immer wieder Truppenbewegungen sehen», kündigte Kohli an. Deshalb informiere die Armee frühzeitig über die Übung. Trainiert wird tagsüber und nachts, in urbanen Gebieten ebenso wie im freien Gelände und unter Einbezug realer Infrastrukturen. Ziel sei eine möglichst realitätsnahe Ausbildung.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Zusammenarbeit mit kantonalen Behörden. «Sicherheit entsteht im Verbund», betonte Kohli. Mit «CONEX 26» wolle die Armee ihre Einsatzfähigkeit nachweisen und Abläufe unter realen Bedingungen überprüfen. Die Übung soll sicherstellen, dass die Truppen im Ernstfall rasch und wirkungsvoll handeln können. «Schlussendlich ist die Übung auch ein Beitrag zur nationalen Sicherheit», sagte Kohli abschliessend.
Von Olivier Diethelm
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