Martin Bärtschi
Energie-Apéro-Anlass zur Schweizer Wasserwirtschaft
Am internationalen Tag des Weissen Stocks sensibilisierten der Schweizerische Blindenbund und Sichtbar Aarau am Bahnhof Aarau für die Herausforderungen blinder und sehbehinderter Menschen im öffentlichen Verkehr. Dabei standen persönliche Begegnungen und gegenseitiges Verständnis im Mittelpunkt.
Aarau Am Donnerstag, 15. Oktober, machte die Regionalgruppe Nordwestschweiz (RGN) des Schweizerischen Blindenbundes gemeinsam mit Sichtbar Aarau auf die Bedeutung der Barrierefreiheit aufmerksam. Von 10 bis 15 Uhr informierten die Beteiligten an einem Stand in der Shopping-Mall im ersten Untergeschoss des Bahnhofs Aarau über das Thema «Selbstständig reisen darf kein Glücksfall sein – Barrierefreiheit im öffentlichen Verkehr».
Am Informationsstand entstanden zahlreiche interessante Gespräche. Flyer, Leuchtstreifen, Kugelschreiber und Bonbons dienten als kleine Aufmerksamkeiten und Gesprächseinstieg. Doch nicht nur am Stand wurde informiert. «Hier am Stand haben die Leute nicht so viel Zeit», erzählte Sabine Reist, die mit ihrem Hund an der Aktion teilnahm.
«Deshalb streifen wir auch durch den Bahnhof und sprechen Menschen an, die vielleicht auf den Zug oder Bus warten.» Die Reaktionen seien mehrheitlich positiv: «Die Leute zeigen sich interessiert und hören zu. Wir informieren sie kurz und knackig über unsere Aktion.»
Die zentrale Botschaft lautet: Blinde und sehbehinderte Menschen möchten möglichst selbstständig unterwegs sein. Manchmal sind sie jedoch auf Unterstützung angewiesen, etwa bei der Orientierung oder bei der Suche nach dem richtigen Einstieg.
Wie bietet man Hilfe richtig an? Elsbeth Zimmermann, Aktiv- und Vorstandsmitglied der RGN, erklärt: «Am besten stellt man sich vor die sehbehinderte Person und spricht sie direkt an: Grüezi, mein Name ist Elsbeth, kann ich Ihnen behilflich sein?»
Ob die Hilfe angenommen wird, entscheidet die angesprochene Person selbst. «Vielleicht warte ich nur auf jemanden und brauche gar keine Hilfe. Dann sage ich Nein. Diese Antwort gilt es zu akzeptieren.»
Besonders wichtig sei ein respektvoller Umgang. «Wir wollen für voll genommen werden. Blind zu sein heisst schliesslich nicht, blöd zu sein», betont Zimmermann. Blinde Menschen seien in den unterschiedlichsten Berufen tätig, so zum Beispiel auch als Juristen.
Und eines gelte unbedingt: Niemanden ungefragt am Arm packen und einfach mitziehen.
Edgar und Ruth Cadosch waren in Zügen rund um Aarau unterwegs, um Reisende anzusprechen. Dabei ergaben sich viele gute Gespräche. Die Menschen reagierten freundlich und offen. Ein weiteres wichtiges Anliegen der Aktion betraf die Sicherheit im Strassenverkehr.
Vielen Autofahrenden sei nicht bewusst, welche Bedeutung der weisse Stock hat. Signalisiert eine blinde oder sehbehinderte Person mit dem weissen Stock, dass sie die Fahrbahn überqueren möchte, sind Fahrzeuglenkende verpflichtet, anzuhalten und ihr den Vortritt gewähren.
Wichtig ist, zu warten, bis die Person die Strasse vollständig überquert hat. Hupen, Winken oder das Abstellen des Motors helfen dabei nicht.
Der Aktionstag zeigte, wie wichtig Information und persönliche Begegnungen sind. Denn selbstständiges Reisen braucht nicht nur barrierefreie Infrastruktur, sondern auch Menschen, die aufmerksam sind, respektvoll handeln und bei Bedarf unkompliziert Hilfe anbieten.
Von Olivier Diethelm
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