Yvette Körber
Frau Gemeineammann von Oberentfelden im Interview
Am vergangenen Montag informierte die Stadt Zofingen zu den Plänen der Bebauung des Oberen Rebbergs. Dabei wurde das Neubauprojekt ebenso beleuchtet wie die Pläne zur Erhaltung der lädierten Ringier-Villa.
Zofingen Bauland ist dieser Tage ein rares Gut. Umso wichtiger ist es, dass auch jeder Meter sinnvoll genutzt wird. Einer Aufgabe, die sich die Thut-Stadt im letzten Jahr am Oberen Rebberg, unweit des Trottenweihers, annahm. Das Land an der exponierten Hanglage, nur 300 Meter von der Altstadt entfernt, lag viele Jahre praktisch brach.
Mit einer Ausnahme: der «Ringier-Villa». Einst 1917 für den Fabrikanten Hermann Dätwyler erbaut, ging sie 1939 in den Besitz von Hans Ringier-Landolt über. Er baute die Villa aus und schenkte Zofingen ein kleines Wahrzeichen. Nach ihrem Verkauf und dem Wegzug der Ringiers steht sie heute immer noch – oder eher der Schatten ihrer selbst. Die Villa gleicht nach Jahren der Verwahrlosung und Vandalenakten einer alten Ruine.
Hier setzt das Bauprojekt an: Dem Areal soll mit einer sinnvollen Überbauung neues Leben eingehaucht werden – der Villa Ringier als prägendes «Kronjuwel» ebenso. An ihr wird festgehalten, sie soll sogar wieder vollständig bewohnbar gemacht werden.
Das Projekt trifft sichtlich einen Nerv: Der Bürgersaal im Rathaus der Thut-Stadt platzte förmlich aus allen Nähten. Auch Stadtpräsidentin Christiane Guyer konstatierte, dass die Besucherzahl wohl in die Geschichte eingehen müsse.
Daniel Stalder von der ZEITRAUM Planungen AG stellte den zweistufigen Studienauftrag vor, mit dem das vorgestellte Siegerprojekt auserkoren wurde. Dieser startete vor einem Jahr, im Dezember 2024, mit einer Leitidee, also einem Konzept für die Siedlung unter Einbezug der Ringier-Villa. Im März wurden diese Konzepte von der Jury anhand von Faktoren wie Städtebau und Freiraum, Architektur, Funktionalität und Marktfähigkeit auf Herz und Nieren geprüft und überarbeitet.
Am Schluss stand ein einstimmiger Entscheid für das Siegerprojekt von kunzarchitekten ag aus Sursee und Balmer Architektur aus Langnau im Emmental.
Das Siegerprojekt sieht insgesamt 26 Wohnungen in unterschiedlicher Grösse vor. Diese werden voraussichtlich als Stockwerkeigentum erhältlich sein und sich wohl im gehobenen Preissegment wiederfinden.
Am unteren Ende der Überbauung fliesst der Stadtbach. Dieser wird gemäss dem Studienauftrag renaturiert und den Bewohnern zugänglich gemacht. In der Mitte befindet sich der Ziergarten der ehemaligen Villa, der auch als gemeinschaftliche Fläche verstanden werden soll.
Das Alte mit dem Neuen verbinden – etwas, das Matthias Balmer von Balmer Architektur besonders wichtig war: «Die bestehende Bausubstanz ist prägend für den Charakter», betonte er, und diese zu erhalten sei das höchste Gebot.
Die abschliessende Fragerunde drehte sich vor allem um das Anwesen Ringier. Zum einen darum, ob mit dem Projekt nun endlich Ruhe um die Villa einkehrt. Eine Anwohnerin berichtet, dass am Wochenende regelmässig Partys und Vandalenakte veranstaltet würden. Eine andere Anwesende bezweifelte offen, dass die Villa überhaupt noch bewohnbar gemacht werden könne. Guyer und Stalder beschwichtigten die Gemüter und versicherten, die Ringier-Villa bleibe an ihrem Platz und sei renovierbar.
Die Verkehrssituation führte ebenso zu Diskussionen: So merkte ein Anwohner an, dass die anliegenden Strassen eine wichtige Verkehrsachse für Schulkinder seien, was während der Bauarbeiten berücksichtigt werden müsse.
Auch die Erschliessung der Siedlung sei nicht optimal: Die Zufahrtsstrasse und die angrenzende Weiherstrasse seien relativ schmal. Dazu komme, dass wegen des langwierigen Projekts an der Schulhausstrasse diese über längere Zeit nicht befahrbar sein werde. Der gesamte Verkehr werde über die Weiherstrasse geleitet. Daniel Stalder antwortete darauf, dass eine Erschliessung über die Obere Rebbergstrasse noch geprüft werde. Ohnehin bilde das Projekt die Grundlage für einen Gestaltungsplan und keinen definitiven «Masterplan», so Christiane Guyer.
Von Joel Dreier
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